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Brustwirbelsäule

Synonyme: BWS, Thorakale Wirbelsäule
Englisch: thoracic vertebra, thoracic spine

1 Definition

Die Brustwirbelsäule ist ein Teil der Wirbelsäule des Menschen und besteht aus 12 einzelnen Knochen, den Brustwirbeln (Vertebrae thoracicae). Zusätzlich ist sie am Aufbau des Thorax beteiligt. Dabei folgen die Brustwirbelkörper dem allgemeinen Bauprinzip der Wirbelkörper und dienen vor allem als Ansatz bzw. Ursprung für einzelne Muskelgruppen sowie als Gelenkgrundlage der Rippen-Wirbel-Gelenke.

2 Anatomie

2.1 Allgemein

Alle Wirbel haben eine gemeinsame Grundform, wobei sich am Beispiel des Brustwirbelkörpers diese Form besonders deutlich zeigt. Man erkennt an ihm folgende Strukturelemente:

Von hier aus gliedern sich seitlich und dorsal die Fortsätze des Wirbels (Processus vertebrae) an:

Die Dornfortsätze sind im Bereich der Brustwirbelsäule gut zu sehen und zu tasten.

Das Wirbelloch (Foramen vertebrale) wird sowohl vom Wirbelkörper als auch vom Wirbelbogen umgeben und bildet den Raum für das Rückenmark (Medulla spinalis) mit seinen Hüllen, Gefäßen und Nerven.

Die Aufeinanderreihung der einzelnen Wirbellöcher bildet als Gesamtheit den Wirbelkanal (Canalis vertebralis). Hierbei bleibt zwischen zwei Wirbeln das Zwischenwirbelloch (Foramen interverebrale) zum Durchtritt der jeweiligen Spinalnerven offen. Die knöcherne Begrenzung wird hierbei durch die Wirbelbogenfüßchen (Pediculi arcus vertebrae) gebildet, die nach kranial und kaudal etwas eingezogen sind, so dass sich die Incisurae vertebrales inferiores et superiores ausbilden.

2.2 Besonderheiten in der Form

Die Wirbel der einzelnen Regionen der Wirbelsäule unterscheiden sich sowohl durch ihre Größe als auch durch ihre Form. Dies wird besonders deutlich an der Form der Wirbellöcher. Im Bereich der Brustwirbel sind diese nahezu rund, und der mittlere Brustwirbelbereich, zwischen dem 5. und 6. Brustwirbelkörper, weist den geringsten Durchmesser auf. Im Vergleich dazu sind die Wirbellöcher der Hals- und Lendenwirbelsäule dreieckig geformt. Entsprechend ist auch das Rückenmark im Brustbereich der dünnste Teil des gesamten Marks.

Auch die Pediculi unterscheiden sich entsprechend ihrer Biegungsbeanspruchung innerhalb der Brustwirbelsäule - ihre Kortikalis ist massiv ausgebildet im Bereich des oberen, medialen und unteren Umfangs, während an der lateralen Seite die Spongiosa kaum gegen die Umgebung abgeschlossen ist. Diese Situation macht man sich bei stabilisierenden chirurgischen Eingriffen durch das Einbringen von langen Metallschrauben zu Nutze.

Im Bereich der Brustwirbelsäule bildet sich die so genannte Brustkyphose aus. Zusätzlich ist hier das pathologische Bild der Skoliose besonders häufig ausgeprägt.

2.3 Besonderheiten der Gelenke

Die Brustwirbelkörper bilden Gelenkflächen (Facies articulares superiores et inferiores) aus, welche die gelenkige Verbindung zum jeweils oberen bzw. unteren Nachbarwirbel herstellen. Die Grundlage bildet hierbei der abgeplattete Teil des Wirbelbogens (Lamina arcus vertebrae), von dem nach kranial und kaudal je zwei Gelenkfortsätze abgehen. Auf diese Weise steht jeder Wirbel mit seinem Nachbarn in vierfacher gelenkiger Verbindung.

Zum anderen bilden die Brustwirbel zusammen mit den Rippenköpfchen (Capita costae) das Rippen-Wirbel-Gelenk. Hierbei ist zu beachten, dass die benachbarten Gelenkgruben (Foveae costales superior et inferior) zweier übereinander stehender Brustwirbel den Kopf einer Rippe aufnehmen. Hiervon ausgenommen sind die 1., 11. und 12. Rippe, die nur je eine Gelenkverbindung mit dem Körper des entsprechenden Wirbels haben.

Eine weitere Gelenkfläche, die Fovea costalis processus transversi, wird gebildet durch die vom Wirbelkörper nach lateral abgehenden Querfortsätze des 1. bis 10. Brustwirbels, die mit den Rippenhöckerchen (Tubercula costae) gelenkig verbunden sind. Die Gelenkfläche ist vom 2. bis zum 5. Brustwirbel konkav, während die Gelenkfäche am 1., 6. und 10. Brustwirbel plan ist. Am 11. und 12. Brustwirbel ist diese Gelenkfläche nicht ausgeprägt. Der 12. Brustwirbel besitzt wie die Lumbalwirbelkörper einen Processus transversus mit Processus mamillaris und Processus accessorius.

2.3.1 Stabilisation der Rippen-Gelenke

Das Rippen-Wirbel-Gelenk wird durch zahlreiche Bänder stabilisiert. Hier sind zu nennen:

3 Bewegungsumfang

3.1 Flexion und Extension

Die Flexion und Extension des Rumpfes in der Sagittalebene erfolgt hauptsächlich durch die Brustwirbelsäule, wobei eine Ergänzung durch die übrigen Regionen den Bewegungsumfang erweitert. Bei Vorneigung wird die Krümmung der Brustregion verstärkt, während bei der Rückwärtsbeugung die Brustwirbelsäule abflacht. Der Bewegungsumfang liegt zwischen 45° vorwärts und 26° rückwärts.

3.2 Lateralflexion

Die Lateralflexion (Seitwärtsneigung) der gesamten Wirbelsäule ist abhängig von der Beteiligung der Brustwirbelregion. Sie kann gerade bleiben, so dass sich nur Hals- und Lendenwirbelsäule seitwärts neigen; sie kann aber diese Bewegung auch mitmachen, so dass ein vollständiger Bogen entsteht (zwischen 25-33° im Brustwirbelbreich).

3.3 Rotation

Die Rotation um die eigene Achse ist in der Halswirbelsäule am größten - die Drehung des Rumpfes ist durch die Brustwirbelsäule (33°) bedingt.

4 Klinik

4.1 Allgemein

Besonders in der Beurteilung der Wirbelsäule ist die klinische Untersuchung entscheidend - neben Anamnese und Inspektion müssen Dornfortsätze und Muskulatur palpiert werden. Wie bei allen Skeletterkrankungen ist die Röntgendiagnostik wegweisend. Wirbelsäulenaufnahmen erfolgen stets in frontalem und seitlichem Strahlengang. Zur weiterführenden Diagnostik stehen CT und MRT zur Verfügung. Knochenmetastasen, die bevorzugt in den Brustwirbelkörpern vorhanden sind, können mittels Skelettszintigraphie demaskiert werden.

4.2 Einfache orthopädische Untersuchung

Die Untersuchung der Brustwirbelsäule beginnt zunächst mit der Inspektion - der Beobachung von Form, Neigung und Lage der Dornfortsätze, etc. Dann folgt die Palpation der Dornfortsätze und der gesamten Wirbelsäule. Zur Abschätzung des Bewegungsumfangs existieren verschiedene Tests:

Die Abschätzung des Rotationsumfangs erfolgt auf einem Drehstuhl. Hierbei bittet man den sitzenden Patienten, sich um die eigene Achse nach hinten zu drehen. Zunächst wird die Linksrotation, dann die Rechtsrotation beobachtet. Die dabei entstehenden Umfangswinkel können abgeschätzt werden.

5 Veterinärmedizin

Die Anzahl der Brustwirbel und damit auch der Rippen ist im Tierreich sehr unterschiedlich. Auch innerhalb der Arten kann die Anzahl zwischen den Rassen unterschiedlich sein.

Fachgebiete: Allgemeine Anatomie

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