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Morbus haemolyticus neonatorum

(Weitergeleitet von ABO-Erythroblastose)

Abkürzung: MHN
Synonyme: Fetopathia serologica, Erythroblastosis fetalis, fetale Erythroblastose
Englisch: hemolytic disease of the newborn

1 Definition

Der Morbus haemolyticus neonatorum ist eine Komplikation der Schwangerschaft, die bei einer Inkompatibilität der Blutgruppen zwischen Mutter und Kind auftreten kann.

2 Ursachen

Die Blutgruppeninkompatibilität kann den Rhesusfaktor D, das AB0-System sowie viele weitere Blutgruppenmerkmale betreffen. Da die Mutter zuerst gegen das Antigen sensibilisiert werden muss, ist das erste Kind normalerweise nicht betroffen.

2.1 Rhesusinkompatibilität

Hat eine Rhesus-negative Person Kontakt mit Rhesus-positivem Blut, so bildet das Immunsystem Antikörper gegen das fremde Oberflächenantigen auf den kindlichen Erythrozyten und es kommt zu einer Hämolyse der fremden Erythrozyten. Da es bei einer Entbindung in der Regel zu einem geringen Übertritt von Blut zwischen Mutter und Neugeborenem kommt, bildet eine rhesusnegative Mutter nach der Geburt eines Rhesus-positiven Neugeborenen entsprechende Antikörper.

Kommt es später zu einer zweiten Schwangerschaft mit einem Rhesus-positiven Föten, können die hämolytisch aktiven Antikörper die Plazentaschranke passieren. Als Folge kommt es beim ungeborenen Kind zu einer Hämolyse, da die Antikörper gegen die Blutgruppenmerkmale des Kindes gerichtet sind.

Durch eine Hämolyse bereits während der Schwangerschaft kann das ungeborene Kind eine Anämie entwickeln, bei schweren Verläufen kommt es zu einer Fehlgeburt (Hydrops fetalis).

Manchmal kommt es bereits während der ersten Schwangerschaft zu einer Einschwemmung geringer Mengen fetaler Erythrozyten. In einigen Fällen kommt es bereits dann zu einer Antikörperbildung des mütterlichen Immunsystems, in der Regel reichen diese Mengen jedoch nicht aus, um einen Morbus haemolyticus neonatorum auszulösen.

2.2 AB0-Inkompatibilität

Grundsätzlich unterliegt eine AB0-Inkompatibilität dem gleichen Prinzip wie einer Rhesusinkompatibilität zwischen Mutter und Kind.

Ein entscheidender Unterschied ist, dass wegen der bei jedem normalen Individuum der Blutgruppe 0 vorkommenden Isoagglutinine bereits präformierte IgG-Antikörper im mütterlichen Blut vorliegen können. Dies erklärt die Häufigkeit dieser Inkompatibilität.

3 Diagnostik

Bereits zu Beginn einer Schwangerschaft wird neben einer Blutgruppenbestimmung ein Suchtest nach irregulären Blutgruppenantikörpern (Antikörpersuchtest) gemacht. Fällt dieser negativ aus, wird er in der 24.-27. Schwangerschaftswoche wiederholt. Desweiteren kann durch regelmäßige Ultraschalluntersuchungen der Zustand des Fötus überwacht werden.

4 Therapie

Im Falle der Rhesus-Inkompatibilität wird seit den 60er Jahren kurz vor und kurz nach der ersten Entbindung eine sogenannte Anti-D-Prophylaxe gegeben. Hier handelt es sich um Antikörper, die das fetale Oberflächenantigen besetzen und so eine Antikörperbildung des mütterlichen Immunsystems vermeiden. So wird eine dauerhafte Sensibilisierung verhindert.

Bei hämolytischen Prozessen vor der Geburt ist es möglich bereits intrauterin (im Mutterleib) über die Nabelschnur Erythrozytenkonzentrate zuzuführen.

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