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Α2-Adrenozeptor

Synonyme: Alpha-2-Rezeptor, Alpha-2-Adrenorezeptor
Englisch: alpha-2-adrenoreceptor, alpha-2-receptor

1 Definition

Der α2-Adrenozeptor ist ein G-Protein-gekoppelter Rezeptor aus der Gruppe der Adrenorezeptoren. Er wird durch Katecholamine aktiviert, wobei von den endogenen Katecholaminen Adrenalin die höchste Affinität besitzt. Der α2-Adrenozeptor wird sowohl in der Peripherie als auch im ZNS exprimiert und vermittelt dort vor allem die reziproke Hemmung des Sympathikus.

siehe auch: α1-Adrenozeptor

2 Physiologie

Als einziger Gi-gekoppelter Adrenorezeptor, führt eine Aktivierung des α2-Adrenozeptors zu einer Inhibierung der Adenylatzyklase und zu einer Senkung des cAMP-Spiegels.

In präsynaptischen Endigungen löst ein erhöhter cAMP-Spiegel eine Aktivierung der Proteinkinase A aus, die N-Typ-Calciumkanäle phosphoryliert. Die aktivierten Calciumkanäle begünstigen durch den Calciumeinstrom die Fusion der Transmittervesikel mit der präsynaptischen Membran. In parasympathischen Präsynapsen wirkt der niedrige cAMP-Spiegel daher hemmend auf die Vesikelfusion. So führt eine Aktivierung des α2-Adrenozeptors zu parasympatholytischen Effekten. Sie äußern sich durch Sedierung, Analgesie, Senkung der Körpertemperatur, aber auch durch Vasokonstriktion und nachfolgend begünstigte Thrombozytenaggregation.

Umgekehrt kann der Parasympathikus sympathische Präsynapsen durch muskarinische Acetylcholinrezeptoren hemmen (Autokrine Hemmung).

Neben der Vermittlung einer parasympathischen Hemmung, hemmen α2-Adrenozeptoren präsynaptisch die Ausschüttung von Noradrenalin. Findet also eine hohe Ausschüttung von Adrenalin durch den Sympathikus statt, führt die erhöhte Katecholaminkonzentration zu einer negativen Rückkopplung.

3 Vorkommen

α2-Adrenozeptoren sind in größeren Mengen in sog. gynoiden Adipozyten exprimiert. Dabei handelt es sich um Fettzellen, welche sich an den weiblichen Prädilektionsstellen für Fettgewebe befinden. Dort hemmt der niedrige cAMP-Spiegel die Lipolyse. Die Exprimierung des Rezeptors sinkt während der Schwangerschaft und Laktation, sodass gynoides Fettgewebe Lipide für die Ernährung des Säuglings bereitstellen kann.

An den Blutgefäßen wirkt der α2-Adrenozeptor hemmend auf die Proteinkinase A. Die Phosphorylierung der Myosin-Leichte-Ketten-Phosphatase (MLKP) nimmt ab und es kommt zur Vasokonstriktion. Diese Wirkung findet begrenzt in gynoiden Fettzellen statt.

4 Pharmakologie

4.1 Agonisten

Clonidin und Moxonidin wirken agonistisch auf α2-Adrenozeptoren im zentralen Nervensystem (Hypothalamus, Formatio reticularis, Medulla oblongata, Nucleus tractus solitarii, Formatio reticularis, Locus caeruleus). Diese Aktivierung hemmt die Ausschüttung von Noradrenalin aus sympathischen Präsynapsen und senkt die Aktivität des Sympathikus. Moxonidin und Clonidin werden als Antihypertensiva eingesetzt.

Weitere Anwendungsmöglichkeiten von Alpha-2-Agonisten ist die Senkung des Augeninnendrucks bei Weitwinkelglaukom, sowie Sedierung und Narkotisierung in der Veterinärmedizin.

4.2 Antagonisten

Durch Antagonisierung des α2-Adrenozeptor findet eine Disinhibition des Sympathikus statt. Antagonisten werden als indirekte Sympathomimetika z.B. bei Erektionsstörungen (Yohimbin) und Depressionen (Mianserin, Mirtazapin und Idazoxan) eingesetzt.

5 Literatur

  • Adams HA et al.: Anästhesiologie. 2. Auflage, 2008. Thieme Verlag

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