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Hippocampus

von altgriechisch: ἵππος ("hippos") - Pferd und kamptein - biegen, krümmen
Englisch: hippocampus

1 Definition

Der Hippocampus ist eine zum limbischen System gehörende Struktur, die vor allem an der Gedächtnisbildung beteiligt ist.

2 Anatomie

Der Hippocampus ist der medial gelegene Abschnitt des Telencephalons (Großhirns). Er gehört zum Archicortex.

3 Morphologie

Der Hippocampus besteht aus mehreren Strukturen. Deshalb spricht man auch von einer "Hippocampusformation" oder "Formatio hippocampi". Im Querschnitt (frontal) unterscheidet man drei Bereiche:

Der "eigentliche" Hippocampus ("Hippocampus proprius") mit seinen vier Feldern CA1 bis CA4 entspricht dabei dem Ammonshorn. Das rostrale Endstück des Hippocampus bildet im Schläfenlappen eine tatzenähnliche Struktur, den Pes hippocampi.

Vergleicht man die eingerollte Rindenstruktur des Hippocampus mit einem Seepferdchen, dann wäre der Gyrus dentatus der distale Teil des "Schwanzes". Das Subiculum ist der Übergangsbereich vom dreischichtigen, archicorticalen Hippocampus zum sechsschichtigen Neocortex. Es liegt zwischen der CA1-Region des Ammonhorns und dem Cortex entorhinalis.

3.1 Topographie

Der Hippocampus liegt im Temporallappen und grenzt nach lateral an das Unterhorn des Seitenventrikels. Rostral befindet sich das Corpus amygdaloideum. Das kaudale Ende des Corpus callosum stellt die hintere obere Begrenzung dar. Mit dem Fornix zieht er unterhalb des Balkens in einem Bogen zu den Corpora mamillaria.

Das auf dem Balken liegende Indusium griseum wird häufig als Fortsetzung des Hippocampus verstanden, da sich der Hippocampus in der Entwicklung zunächst auf dem Balken befindet und erst später durch die Hemisphärenrotation nach kaudal gelangt.

4 Neuroanatomie

4.1 Afferenzen

Afferenzen erhält der Hippocampus aus dem Thalamus, dem Septum, dem Gyrus cinguli sowie über die Area entorhinalis aus dem Riechhirn, dem Corpus amygdaloideum und Neocortexarealen.

4.2 Efferenzen

Die Efferenzen des Hippocampus verlaufen im Fornix zum Septum, zur Amygdala, zum Hypothalamus und zu den Corpora mamillaria, über die sich der Papez-Neuronenkreis ausbildet.

5 Histologie

Der Hippocampus ist Teil des Archicortex. Innen liegt zunächst der Alveus, in dem die Efferenzen des Hippocampus verlaufen und der sich in den Fornix fortsetzt. Von dort prägt er einen langen Strang zum Rückenmark aus. An den Alveus grenzt das Stratum oriens mit den Korbzellen, die von den Pyramidenzellen des angrenzenden Stratum pyramidale aktiviert werden und diese Pyramidenzellen hemmen. Das Stratum pyramidale wird in die Felder CA1, CA2, CA3 und CA4 gegliedert. An diese Schicht grenzt das Stratum radiatum, gefolgt vom Stratum lacunosum-moleculare. Im Feld CA3 liegt zwischen Stratum radiatum und dem Stratum pyramidale noch das Stratum lucidum. Die afferenten Fasern verlaufen im Tractus perforans, der an das Stratum lacunosum-moleculare angrenzt, und terminieren an den Dendriten der Pyramidenzellen.

Viele Afferenzen ziehen auch zu den Körnerzellen, die sich im Gyrus dentatus befinden. Dieser steht über Moosfasern mit den Pyramidenzellen aus CA3 im Stratum lucidum in Verbindung. Die Pyramidenzellen aus CA3 können über die Schaffer-Kollateralen die Pyramidenzellen aus CA1 aktivieren.

6 Pathologie

Da der Hippocampus ein wichtiger Bestandteil für die Gedächtnisbildung ist, können bei der Zerstörung beider Hippocampi keine Informationen mehr vom Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis gelangen. Dies spielt vor allem beim Morbus Alzheimer eine Rolle, denn man nimmt an, dass der Untergang von Neuronen im Hippocampus (und der angrenzenden Area entorhinalis im Gyrus parahippocampalis) zu den charakteristischen Merkfähigkeitsstörungen führt.

Weiterhin neigen die Neurone des Hippocampus zu Spontanentladungen, so dass es z.B. bei Tumoren zu epileptischen Anfällen (komplex-fokale) kommen kann.

Man vermutet, dass eine Unteraktivität der Neurone von Hippocampus und Gyrusparahippocampalis zur Entstehung von Schizophrenie beitragen kann.

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