Vom 16. bis 23. Juli steht das Flexikon nur im Lesemodus zur Verfügung.
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Wir sind gen Süden gefahren und machen eine Pause. Deswegen steht das Flexikon vom 16. bis 23. Juli 2018 nur im Lesemodus zur Verfügung. Ab dem 24. Juli könnt ihr wieder mit voller Kraft losschreiben.

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Langzeitgedächtnis

Englisch: long term memory

1 Definition

Das Langzeitgedächtnis ist ein multimodale, neuronale Funktion, die der langfristigen Speicherung und Verarbeitung von Informationen dient.

2 Einteilung

Die Systemtheorie unterscheidet auf deskriptiver Ebene ein deklaratives und ein nondeklaratives Gedächtnis.

Deklaratives Gedächtnis subsumiert verbalisierbares, konkretes Wissen (z.B. Berlin ist die Hauptstadt der BRD), das nondeklarative Gedächtnis hingegen beherbergt Informationen, die auf Erfahrungen basieren und über die wir nicht ohne weiteres berichten können. Es ist einfacher, das nondeklarative Wissen zu "zeigen" - am Anfang lernen wir das Autofahren theoretisch und können über das erworbene Wissen sehr leicht berichten (deklarative Form), mit der Zeit aber wird das Wissen automatisiert, wir können zwar weiterhin Auto fahren, sind aber nicht immer in der Lage, genau zu berichten, wie wir das tun (nondeklaratives, prozedurales Wissen).

2.1 Deklaratives Gedächtnis

Tulving (1972) unterteilt das Langzeitgedächtnis in episodisches und semantisches Langzeitgedächtnis. Das episodische LZG ist autobiographischer Natur und erfasst persönlich in Erfahrung gebrachte Ereignisse und deren zeitlich-räumliche Einbettung ("Die Nacht am Strand in Neapel diesen Sommer war schön").

Im semantischen Langzeitgedächtnis sind Fakten und Sachwissen untergebracht, ohne eine zeitlich-räumliche Einbettung ("Neapel liegt am Meer, ich weiß aber nicht mehr genau, wo und wann ich das zum ersten Mal erfahren habe").

Squire (1999) vertritt die Meinung, dass sowohl das episodische, als auch das semantische LZG dem deklarativen Langzeitgedächtnis angehören.

Tulvings Dichotomie wird durch Beobachtungen gestützt, dass Amnesiepatienten gravierende Lücken im autobiographischen Gedächtnis aufweisen. Das semantische Gedächtnis bleibt jedoch oft weniger beeinflusst und den Patienten fällt es nicht schwer, Probleme zu lösen und Gegenstände zu benennen.

Die Trennung zwischen dem episodischen und dem semantischen Gedächtnis lässt sich auch hirnphysiologisch untermauern. Bildgebende Verfahren zeigen, dass der Abruf semantischer Informationen mit höherer Aktivität im linken präfrontalen Cortex einhergeht, als der Abruf episodischer Inhalte, welcher ein umgekehrtes neuronales Aktivierungsmuster aufweist (Wheeler, Stuss & Tulving, 1997)

2.2 Nondeklaratives Gedächtnis

In unserem Langzeitgedächtnis sind natürlich viel mehr Informationen gespeichert, als wir darüber berichten können. Viele Informationen "lauern" im Unbewussten, beeinflussen aber trotzdem unser Verhalten maßgebend. Ein klassisches Beispiel hierfür ist das priming (auf deutsch die Bahnung). Unter Priming versteht die Psychologie eine schnellere und/oder genauere Verarbeitung als Konsequenz einer vorangegangenen Verarbeitung der Objekte oder Ereignisse.

In den Wortidentifikationstests kann das Phönomen der unbewussten Bahnung gut demonstriert werden: Zuvor gelesene Wörter werden später, bei erschwerten Versuchsbedingungen besser identifiziert, als Wörter, die den Probanden vor dem Experiment nicht gezeigt wurden. Dieses Phänomen wirkt auch dann, wenn sich die Versuchspersonen nicht bewusst daran erinnern können, dass sie das Wort schon im Pretest dargeboten bekommen hatten.

Auch das prozedurale Wissen ist nondeklarativer Natur. Hierbei geht es um Fertigkeiten, die bereits automatisiert sind und ohne bewusste Kontrolle ablaufen. Durch den Wegfall der bewussten Kontrolle ist es schwierig, über prozedurales Wissen zu berichten, aber man kann dieses Wissen problemlos demonstrieren.

3 Neurophysiologie

Es herrscht Einigkeit darüber, dass das Langzeitgedächtnis ein multimodales Phänomen ist und es dafür nicht einen einzigen Speicher im Gehirn gibt. Vielmehr ist das LZG über viele kortikale und subkortikale Areale verteilt. Subkortikale Areale wie der Hippocampus spielen eine große Rolle beim Lernen und kurzfristiger Speicherung von Informationen, die langfristige Speicherung jedoch erfolgt in den kortikalen Arealen, besonders präfrontal und temporal.

Auch die Basalganglien, besonders das ventrale Striatum, sind in Lern- und Gedächtnisprozesse involviert.

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Fachgebiete: Psychologie

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