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Ossa carpi (Veterinärmedizin)

(Weitergeleitet von Vorderfußwurzelknochen (Veterinärmedizin))

Synonyme: Vorderfußwurzelknochen, Karpalknochen
Englisch: carpal bone

1 Definition

Als Ossa carpi oder Vorderfußwurzelknochen bezeichnet man in der Veterinärmedizin die knöcherne Grundlage des Karpus (Vorderfußwurzel). Sie können mit den Mittelhandknochen der Menschen verglichen werden.

2 Nomenklatur

Wie in der Humanmedizin werden die Ossa carpi in eine proximale (antebrachiale) und in eine distale (metakarpale) Reihe unterteilt, wobei von medial nach lateral durchnummeriert wird.

3 Anatomie

Die Ossa carpi unterscheiden sich innerhalb der Tierarten in Form, Name und Auftreten. Folgende Tabelle beinhaltet in der linken Spalte die veterinärmedizinische und in der rechten Spalte die in der Humanmedizinin gebräuchliche Nomenklatur der einzelnen Knochen.

proximale (antebrachiale) Reihe:
Bezeichnung: Synonyme:
Os carpi radiale, Cr Os scaphoideum, Kahnbein
Os carpi intermedium, Ci Os lunatum, Mondbein
Os carpi ulnare, Cu Os triquetrum, Dreiecksbein
Os carpi accessorium, Ca Os pisiforme, Erbsenbein
distale (metakarpale) Reihe:
Os carpale primum, C I Os trapezium, großes Vieleckbein
Os carpale secundum, C II Os trapezoideum, kleines Vieleckbein
Os carpale tertium, C III Os capitatum, Hauptbein
Os carpale quartum, C IV Os hamatum, Hakenbein

3.1 Tierartliche Unterschiede

Die in der Tabelle aufgelisteten 8 Karpalknochen findet man in dieser Form nur beim Schwein. Fleischfresser hingegen weisen in den meisten Fällen eine Verschmelzung zweier Knochen der proximalen Karpalknochenreihe auf. Hier sind das Os carpi radiale mit dem Os carpi intermedium zum Os carpi intermedioradiale, einem einheitlichen Knochen, vereint.

Beim Pferd fehlt meistens ein Os carpale primum, wohingegen bei den Wiederkäuern nie ein Os carpale primum ausgebildet ist. Gleichzeitig sind die Ossa carpalia secundum et tertium miteinander verschmolzen, sodass sich folgende Anzahlen an Karpalknochen ergeben:

Tierart: proximale Reihe: distale Reihe: insgesamt: Besonderheiten:
Fleischfresser: 3 4 7 Ci und Cr sind zum Os carpi intermedioradiale verschmolzen
Pferd: 4 3-4 7-8 C I kann fehlen
Wiederkäuer: 4 2 6 C I fehlt und C II und C III sind verschmolzen
Schwein: 4 4 8

3.2 Sesambeine

Fleischfresser zeigen oftmals palmarseitig am Karpalgelenk zwei bis drei Sesambeine (Ossa sesamoidea palmaria). Gleichzeitig findet man beim Fleischfresser medial am Karpus ein Sesambein in der Endsehne des Musculus abductor pollicis longus (Os sesamoideum musculi abductoris pollicis longi).

Kenntnisse über das Auftreten solcher Sesambeine ist vor allem dann wichtig, wenn Röntgenbilder betrachtet werden, da sie von Fraktursplittern unterschieden werden müssen.

4 Literaturangabe

  • Messner, Patrick, Renkin, Maria. Anatomie des aktiven & passiven Bewegungsapparates der Haussäugetiere. Band I (Osteologie). Vienna Academic Press, 2016
  • Salomon, Franz-Viktor, Hans Geyer, and Uwe Gille, eds. Anatomie für die Tiermedizin. Enke, 2008.

Diese Seite wurde zuletzt am 11. Januar 2021 um 13:06 Uhr bearbeitet.

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