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Pseudarthrose

Synonyme: Pseudoarthrose, Falschgelenk
Englisch: pseudarthrosis

1 Definition

Unter einer Pseudarthrose versteht man die mehr oder weniger bewegliche Diskontinuität eines Knochens, welche durch die ungenügende knöcherne Konsolidierung einer Fraktur entsteht.

2 Pathogenese

Ursache ist meist eine unzureichende Ruhigstellung der Fraktur, entweder bedingt durch ungenügende Frakturversorgung oder mangelnde Compliance mit zu früher Belastung. Sie führt zu einer verzögerten Kallusbildung. Als weitere Ursachen kommen unter anderem in Frage:

Von einer Pseudarthrose spricht man erst bei einer Persistenz des Frakturspaltes von über sechs Monaten. Bis dahin spricht man von verzögerter Frakturheilung.

3 Einteilung

Je nach Kallusbildung unterscheidet man eine hypertrophe und eine atrophe Pseudarthrose.

3.1 Hypertrophe Pseudarthrose

Die hypertrophe oder vitale Pseudarthrose zeigt eine gute Vaskularisierung, eine breite Zone von Faserknorpel und besitzt die Fähigkeit zur Neubildung von Knochen. Ihr liegen meist mechanische Ursachen zu Grunde. So bildet sie sich bei instabiler Versorgung der Fraktur und kann durch Ruhigstellung des Frakturspalts z. B. durch eine Plattenosteosynthese, einen Fixateur oder Marknagelung beseitigt werden.

Die hypertrophe Pseudarthrose kann nach dem radiologischen Erscheinungsbild in zwei weitere Formen unterschieden werden. Die sogenannte "Elefantenfuß"-Pseudarthrose ist durch eine starke Knochenneubildung und eine gewisse Stabilität gekennzeichnet. Bei der "Pferdefuß"-Pseudarthrose ist die Knochenneubildung weniger umfangreich.

3.2 Atrophe Pseudarthrose

Bei der atrophen oder avitalen Pseudarthrose ist die Durchblutung stark vermindert. Nekrotische Fragmente im Frakturspalt verhindern die Revaskularisierung. Therapeutisch steht hier die Revision des Frakturspalts mit chirurgischer Entfernung nekrotischer oder infizierter Knochenareale im Vordergrund. Der entstandene Defekt wird durch Spongiosainterposition oder Kallusdistraktion wieder aufgebaut.

3.3 Sonderformen

Sonderformen sind die Defektpseudarthrose, bei welcher der Kallus nicht beide Fragmente erreichen kann, und die infizierte Pseudarthrose.

Diese Seite wurde zuletzt am 9. Dezember 2020 um 20:21 Uhr bearbeitet.

Klassisch beschrieben, für mich sehr informativ. Danke! Mir stellt sich da die Frage, ob eine chronische Hepatitis durch einen gesenkten Blutgerinnungsfaktor XIII die Kallusgeneration tatsächlich verhindern kann, auch in dem Maße, dass eine Spongniosainterposition letztendlich vom Körper absorbiert wird ...
#1 am 19.04.2013 von Andre Le Bierre

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