One-Health-Ansatz
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LoslegenSynonym: One Health
Englisch: One Health approach
Definition
Der One-Health-Ansatz ist ein interdisziplinäres Konzept, das die Gesundheit von Menschen, Tieren, Pflanzen und Ökosystemen als eng miteinander verbunden betrachtet. Ziel ist es, ihre Gesundheit durch eine koordinierte Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche nachhaltig zu erhalten und zu verbessern.[1]
Hintergrund
Veränderungen der Umwelt oder der Tiergesundheit können die Entstehung und Übertragung menschlicher Erkrankungen beeinflussen. Der One-Health-Ansatz verbindet daher v.a. Humanmedizin, Veterinärmedizin, Public Health, Landwirtschaft, Umweltwissenschaften sowie Lebensmittelwissenschaften.
Der Ansatz geht auf eine langjährige Kooperation der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) zurück, die ursprünglich als "Tripartite" bezeichnet wurde. Bereits 2021 richteten diese drei Organisationen gemeinsam das One Health High-Level Expert Panel (OHHLEP) zur wissenschaftlichen Beratung ein. Im März 2022 trat mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) eine vierte Organisation hinzu, seither firmiert die Kooperation als "Quadripartite". Mit seiner Arbeit hat das OHHLEP einen fachlichen Konsens geprägt: One Health wird seither weniger als additive Zusammenarbeit einzelner Disziplinen verstanden, sondern als ein Blick auf Gesundheit, der von vornherein die wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen Menschen, Tieren und Ökosystemen mitdenkt.[2]
Praktische Umsetzung
Die sektorenübergreifende Zusammenarbeit im One-Health-Ansatz stützt sich auf mehrere international etablierte Strukturen und Instrumente.
Surveillance und Frühwarnung
Der One Health Joint Plan of Action sieht den Ausbau gemeinsamer Surveillance- und Frühwarnsysteme als Handlungsschwerpunkt vor.[3] Ein zentrales Instrument hierfür ist das 2021 in Berlin gegründete WHO Hub for Pandemic and Epidemic Intelligence. Über dessen Initiative "Epidemic Intelligence from Open Sources" (EIOS) tauschen sich inzwischen Fachleute aus mehr als 150 Ländern und Organisationen weltweit zu sektorübergreifenden Gesundheitsrisiken aus.[4]
Kapazitätsbewertung
Die Instrumente der Internationalen Gesundheitsvorschriften (IHR) der WHO und des "Performance of Veterinary Services" (PVS)-Pathway der WOAH werden über gemeinsame Workshops von WHO, FAO und WOAH miteinander verknüpft, um sektorübergreifende Lücken zu identifizieren und nationale Aktionspläne zu entwickeln.[5]
Koordination
Auf nationaler Ebene erfolgt die Umsetzung meist über multisektorale One-Health-Plattformen, die Zuständigkeiten zwischen den beteiligten Ministerien und Behörden festlegen.[3]
Anwendungsbereiche
Wichtige Anwendungsbereiche des One-Health-Ansatzes sind:
- Prävention und Bekämpfung von Zoonosen
- Überwachung und Eindämmung von Antibiotikaresistenzen
- Prävention von Epidemien und Pandemien
- Verbesserung der Lebensmittelsicherheit
- Kontrolle vektorübertragener Erkrankungen
- Bewertung gesundheitlicher Folgen von Klima- und Umweltveränderungen
Internationale Zusammenarbeit
Auf internationaler Ebene wird der One-Health-Ansatz gemeinsam von WHO, FAO, UNEP und WOAH vertreten. Diese Organisationen bilden die Quadripartite und koordinieren gemeinsame Maßnahmen an der Schnittstelle zwischen der Gesundheit von Menschen, Tieren, Pflanzen und Umwelt.[3] Als gemeinsamer Handlungsrahmen dient der One Health Joint Plan of Action, dessen ursprünglich für 2022–2026 vorgesehener Umsetzungszeitraum im Jahr 2026 bis 2029 verlängert wurde.[6]
Kritik
Ein zentraler Kritikpunkt am One-Health-Ansatz ist, dass der zusätzliche Nutzen der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit gegenüber konventionellen Maßnahmen nicht ausreichend belegt ist. Positive Ergebnisse einzelner Programme zeigen nicht automatisch, dass diese auf die One-Health-Koordination zurückzuführen sind. Eine systematische Übersicht von 2024 schloss 97 Studien ein, von denen 78 einen positiven wirtschaftlichen Nutzen berichteten. Bei 49 dieser Studien fehlte jedoch ein Vergleich mit einem Vorgehen ohne sektorenübergreifende Zusammenarbeit.[7]
Quellen
- ↑ One Health, abgerufen am 21.09.2026
- ↑ One Health High-Level Expert Panel, abgerufen am 21.09.2026
- ↑ 3,0 3,1 3,2 WHO-Publikation, abgerufen am 21.09.2026
- ↑ WHO Pandemic Hub, abgerufen am 21.09.2026
- ↑ WOAH-Webseite, abgerufen am 21.09.2026
- ↑ Quadripartite collaboration extends the One Health Joint Plan of Action to 2029, abgerufen am 21.09.2026
- ↑ Auplish A et al. Current evidence of the economic value of One Health initiatives: A systematic literature review. One Health. 2024;18:100755.