Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Negativsymptomatik

Synonym: Minussymptomatik

1 Definition

Der Begriff Negativsymptomatik oder auch Minussymptomatik fasst verschiedene Symptome zusammen, die im Rahmen einer Schizophrenie auftreten können. Sie sind gekennzeichnet durch Herabsetzung, Minderung und Verarmung psychischer Merkmale eines Menschen.

Das einzelne Symptom nennt man Negativsymptom.

2 Erscheinungsformen

Negativsymptomatik betrifft Affekt, Antrieb, Psychomotorik und Denken:

  • Der Affekt ist verarmt, d.h. die emotionale Erlebnisfähigkeit ist eingeschränkt, das Spektrum an Gefühlen ist reduziert. Der Patient kann unfähig sein, Freude zu empfinden (Anhedonie) und erscheint indifferent bzw. gleichgültig. Eine derartige Affektverarmung geht praktisch immer einher mit einer Affektverflachung, d.h. einer ausgeprägt herabgesetzten affektiven Schwingungsfähigkeit.
  • Der Antrieb ist vermindert; die Betroffenen zeigen weniger Interesse und sind weniger aktiv.
  • Die Psychomotorik ist reduziert. In Mimik und Gestik wirken Patienten wenig lebhaft oder sogar starr, die Stimme ist kaum moduliert.
  • Das Denken ist ebenfalls verarmt, leer und einfallslos, mit allgemein weniger Denkinhalten.

Hinzu kommen zumeist kognitive Einschränkungen in Form von Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen.

Ausgeprägte Negativsymtomatik führt oft zu sozialer Isolation und beruflichem Abstieg.

3 Klinische Bedeutung

Das Auftreten von Negativsymptomatik gilt im Rahmen einer Schizophrenie als prognostisch ungünstig.

4 Diagnostik

Die Negativsymptomatik wird im Rahmen der Positive and Negative Syndrome Scale (PANSS) vom Untersucher abgefragt. Diesen Teil bezeichnet man auch als PANSS-FSNS. Er umfasst 7 Items, die von mit einem Schwergrad von 1 (nicht vorhanden) bis 7 (extrem) bewertet werden können.

5 Therapie

Antipsychotika der zweiten oder dritten Generation sollen außer auf die Positivsymptomatik auch auf die Negativsymptomatik wirken. Beispielsweise konnten Risperidon und Cariprazin eine durch den PANSS-FSNS erfasste Negativsymptomatik reduzieren.[1]

Starke Nebenwirkungen der eingesetzten Medikamente können auch eine Negativsymptomatik vortäuschen oder verstärken. Daher gehört eine antipsychotische Behandlung immer in die Hände eines versierten Behandlers.

siehe auch: Positivsymptomatik

6 Quellen

  1. Németh G. et al.: Cariprazine versus risperidone monotherapy for treatment of predominant negative symptoms in patients with schizophrenia: a randomised, double-blind, controlled trial The Lancet Volume 389, Issue 10074, 18–24 March 2017, Pages 1103-1113

7 Quellen

Fachgebiete: Psychiatrie

Diese Seite wurde zuletzt am 23. Dezember 2020 um 17:38 Uhr bearbeitet.

Ergänzt. Dank für den Hinweis
#4 am 23.12.2020 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt | Ärztin)
Neure Antipsychotika haben durchaus einen Effekt hinsichtlich der Negativsymptomatik, siehe z.B. Nemeth et. al 2017 https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0140673617300600
#3 am 23.12.2020 von Dr. med. Christian Eberlein (Arzt | Ärztin)
Quelle wäre hilfreich. Danke.
#2 am 28.01.2019 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt | Ärztin)
Auch neuere Antipsychotika haben keinen Effekt auf die Negativsymptomatik.
#1 am 27.01.2019 von Gerhard Ziegeler (Arzt | Ärztin)

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Letzte Autoren des Artikels:

6 Wertungen (3.67 ø)

82.161 Aufrufe

Copyright ©2021 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: