Nachtestwahrscheinlichkeit
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Synonym: Posttestwahrscheinlichkeit
Englisch: post-test probability
Definition
Die Nachtestwahrscheinlichkeit ist die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer Erkrankung nach Durchführung und Interpretation eines diagnostischen Tests. Sie ergibt sich aus der Kombination der Vortestwahrscheinlichkeit mit der Testgüte, typischerweise beschrieben durch Likelihood Ratios.
Hintergrund
Die Nachtestwahrscheinlichkeit ist ein zentrales Konzept der evidenzbasierten Diagnostik und beruht auf dem Bayes-Theorem. Diagnostische Tests liefern keine absoluten Aussagen, sondern verändern die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer Erkrankung.
Ausgangspunkt ist die Vortestwahrscheinlichkeit, die sich aus Anamnese, klinischem Befund und ggf. klinischen Scores ergibt. Durch das Testergebnis wird diese Wahrscheinlichkeit mithilfe der Likelihood Ratios angepasst:
- LR+ beschreibt die Erhöhung der Wahrscheinlichkeit bei positivem Testergebnis
- LR− beschreibt die Absenkung der Wahrscheinlichkeit bei negativem Testergebnis
Die Stärke dieser Veränderung hängt von der Testgüte ab:
- LR+ > 10: starke Erhöhung der Wahrscheinlichkeit (rule-in)
- LR− < 0,1: starke Senkung der Wahrscheinlichkeit (rule-out)
- Werte nahe 1: geringe diagnostische Aussagekraft
Beispiel
Ein Patient stellt sich mit Dyspnoe vor. Die klinische Einschätzung ergibt eine Vortestwahrscheinlichkeit für eine Lungenembolie von 25 %.
Ein diagnostischer Test mit einem positiven Likelihood Ratio von 1,3 wird durchgeführt.
→ Die Nachtestwahrscheinlichkeit steigt auf etwa 30 %.
Die Wahrscheinlichkeit verändert sich damit nur gering und verbleibt im intermediären Bereich.
Klinische Bedeutung
Die Nachtestwahrscheinlichkeit ist entscheidend für die weitere Diagnostik und Therapieplanung.
- Niedrige Nachtestwahrscheinlichkeit: Erkrankung kann mit ausreichender Sicherheit ausgeschlossen werden
- Hohe Nachtestwahrscheinlichkeit: Diagnose gilt als wahrscheinlich und rechtfertigt eine Therapie
- Intermediäre Nachtestwahrscheinlichkeit: weitere Diagnostik erforderlich
Die Aussagekraft eines Tests ist dabei wesentlich von der zugrunde liegenden Vortestwahrscheinlichkeit abhängig. Tests mit Likelihood Ratios nahe 1 führen nur zu einer geringen Veränderung der Wahrscheinlichkeit und sind für die klinische Entscheidungsfindung wenig hilfreich.
Literatur
- A. Akobeng, Understanding diagnostic tests 2: likelihood ratios, pre- and post-test probabilities and their use in clinical practice, Acta Paediatr . 2007
- Grimes et. al., Refining clinical diagnosis with likelihood ratios, Lancet 2005