Monogamie
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
Loslegenvon altgriechisch: μονος ("mónos") „allein, einzig" und gámos „Ehe"
Synonym: Einehe
Englisch: monogamy
Definition
Monogamie bezeichnet eine Form der Paarbeziehung, bei der ein Individuum für einen bestimmten Zeitraum oder lebenslang eine exklusive Bindung zu nur einem Partner eingeht. Beim Menschen bezeichnet sie meist die exklusive Zweierbeziehung bzw. Einehe. In der Fortpflanzungsbiologie werden soziale, sexuelle und genetische Monogamie unterschieden.
Einteilung
In der Fortpflanzungsbiologie wird die Monogamie weiter differenziert in:
- Soziale Monogamie: Dauerhafte Paarbindung zwischen zwei Individuen, die gemeinsam Ressourcen nutzen und oft kooperativ Nachwuchs aufziehen.
- Sexuelle oder reproduktive Monogamie: Das Individuum paart sich ausschließlich mit einem Partner.
- Genetische Monogamie: Alle Nachkommen eines Paares stammen tatsächlich von beiden Partnern ab.
Viele sozial monogame Arten zeigen außerpaarliche Kopulationen, sodass trotz sozialer keine genetische Monogamie vorliegt.
Zeitlich unterscheidet man zwischen lebenslanger Monogamie, bei der die Paarbindung bis zum Tod eines Partners besteht, und serieller Monogamie, bei der nacheinander exklusive Partnerschaften mit verschiedenen Individuen eingegangen werden.
Vorkommen
Im Tierreich ist Monogamie insgesamt selten, mit einer markanten Ausnahme bei den Vögeln. Bei ihnen ist die soziale Paarbildung besonders häufig; für etwa 81 % der Arten wird biparentale Brutpflege angenommen.[1] Ursache ist vor allem die Notwendigkeit einer gemeinsamen, aufwendigen Brutpflege – vom Bebrüten der Eier bis zur Fütterung der Jungvögel. Bekannte Beispiele sind Schwäne, Albatrosse oder Pinguine.
Genetische Analysen zeigen jedoch, dass auch bei scheinbar treuen Vogelpaaren regelmäßig Paarungen außerhalb der Beziehung vorkommen. Außerpaarliche Nachkommen wurden bei rund 90 % der untersuchten Vogelarten nachgewiesen; bei sozial monogamen Arten machen sie im Schnitt gut 11 % der Nachkommen aus.[2]
Soziale Monogamie kommt bei einer Minderheit der Säugetierarten vor; je nach Definition liegen Schätzungen zwischen 3 und 9 %.[3][4] Trächtigkeit und Laktation sind rein weibliche Aufgaben und Männchen haben evolutionär oft mehr Erfolg im Sinne der Weitergabe des Erbguts durch weitere Paarungen. Vergleichende Analysen deuten Monogamie daher primär als Paarungsstrategie: Sie entsteht dort, wo Weibchen einzelgängerisch und weiträumig verteilt leben, sodass Männchen nicht mehrere Partnerinnen verteidigen können; die väterliche Fürsorge ist dabei eher Folge als Ursache.[4] Monogame Säugetiere wie Gibbons, Biber, Präriewühlmäuse oder Wölfe finden sich vor allem dort, wo der Schutz des Territoriums oder extreme Umweltbedingungen die Fürsorge beider Elternteile zwingend erforderlich machen. Bei einigen dieser Arten – etwa der Präriewühlmaus – spielen die Neuropeptide Vasopressin und Oxytocin eine zentrale Rolle bei der Ausbildung der Paarbindung.[5]
Bei Fischen, Reptilien und Amphibien ist soziale Monogamie insgesamt weniger verbreitet und lückenhaft untersucht. Eine belastbare gemeinsame Prozentangabe existiert nicht; Monogamie beschränkt sich hier auf wenige spezialisierte Arten mit komplexer Brutpflege.
Monogamie beim Menschen
Beim Menschen ist Monogamie ein komplexes Phänomen, das biologische, psychologische, soziale und kulturelle Dimensionen umfasst. In vielen Kulturen gilt die monogame Zweierbeziehung als gesellschaftliche Norm und ist oft rechtlich als Ehe institutionalisiert. Die Verbreitung monogamer Lebensformen variiert jedoch erheblich zwischen verschiedenen Gesellschaften und historischen Epochen.
Aus evolutionsbiologischer Sicht wird diskutiert, inwieweit monogame Tendenzen beim Menschen angeboren oder kulturell erworben sind. Faktoren wie verlängerte Kindheit, hoher elterlicher Aufwand und komplexe soziale Strukturen könnten die Evolution monogamer Verhaltensweisen begünstigt haben. Gleichzeitig zeigen anthropologische Studien, dass strenge lebenslange Monogamie in menschlichen Gesellschaften eher die Ausnahme als die Regel darstellt.
In modernen westlichen Gesellschaften dominiert das Ideal der seriellen Monogamie, bei der Menschen nacheinander exklusive Partnerschaften eingehen. Die rechtliche Verankerung der Monogamie in Form der Einehe steht dabei oft im Spannungsfeld mit der gelebten Realität von Trennungen, Scheidungen und neuen Partnerschaften.
Quellen
- ↑ Cockburn, Prevalence of different modes of parental care in birds, Proc Biol Sci, 2006
- ↑ Griffith et al., Extra pair paternity in birds: a review of interspecific variation and adaptive function, Mol Ecol, 2002
- ↑ Kleiman, Monogamy in mammals, Q Rev Biol, 1977
- ↑ 4,0 4,1 Lukas und Clutton-Brock, The evolution of social monogamy in mammals, Science, 2013
- ↑ Young und Wang, The neurobiology of pair bonding, Nat Neurosci, 2004