Medication Possession Ratio
Definition
Die Medication Possession Ratio, kurz MPR, ist ein Kennwert zur Beschreibung der Medikamentenverfügbarkeit über einen definierten Beobachtungszeitraum. Die Berechnung basiert auf Verordnungs- oder Apothekendaten und setzt die Summe der abgegebenen Tagesversorgungen eines Medikaments ins Verhältnis zur Dauer des Beobachtungsintervalls.
Hintergrund
Die MPR wurde in der Pharmakoepidemiologie, Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie entwickelt, um anhand von Routinedaten Aussagen zur Kontinuität medikamentöser Therapien treffen zu können. Methodische Grundlagen entstanden insbesondere bei der Analyse von Apotheken- und Versicherungsdaten in großen Populationen.
Berechnung
Die klassische Berechnung der MPR erfolgt nach folgender Formel:
Dabei werden alle innerhalb des Beobachtungszeitraums abgegebenen Arzneimittelmengen berücksichtigt. Überlappende Verordnungen können vollständig addiert werden, sodass MPR-Werte über 1,0 (bzw. über 100 %) rechnerisch möglich sind.
Der Beobachtungszeitraum kann je nach Studiendesign variieren (z.B. Kalenderjahr, Zeitraum zwischen Erst- und Letztverordnung).
Limitationen
Im Unterschied zur Proportion of Days Covered (PDC) werden bei der MPR überlappende Versorgungszeiträume nicht begrenzt, was zu einer Überschätzung der Arzneimittelverfügbarkeit führen kann.
Direkte Aussagen zur Therapieadhärenz auf Individualebene sind mit der MPR nicht möglich. Die Aussagekraft der MPR hängt von der Qualität der zugrunde liegenden Daten ab. Unterschiedliche Berechnungsansätze führen zu eingeschränkter Vergleichbarkeit zwischen Studien.
Quellen
- Steiner und Prochazka, The assessment of refill compliance using pharmacy records: methods, validity, and applications, J Clin Epidemiol, 1997
- Andrade et al., Methods for evaluation of medication adherence and persistence using automated databases, Pharmacoepidemiol Drug Saf, 2006