International Trauma Questionnaire
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LoslegenDefinition
Das International Trauma Questionnaire, kurz ITQ, ist ein Selbstbeurteilungsmaß zur Erfassung von posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) und komplexer Posttraumatischer Belastungsstörung (KPTBS) gemäß ICD-11.
Hintergrund
Mit der ICD-11 führte die WHO die KPTBS als eigenständige Diagnose ein, die sich von der PTBS durch zusätzliche Störungen der Selbstorganisation (Disturbances in Self-Organization, DSO) unterscheidet. Das ITQ wurde als ICD-11-konformes Instrument zur Erfassung der Kernsymptome beider Störungsbilder entwickelt und ist international einsetzbar. Frühere Versionen mit 22 bzw. 28 Items wurden mittels Item-Response-Analysen auf die aktuelle Kurzform reduziert. Das ITQ ist für Forschungs- und klinische Zwecke frei zugänglich.
Aufbau
Das ITQ umfasst 18 Items auf einer 5-Punkt-Likert-Skala (0 = überhaupt nicht bis 4 = extrem), bezogen auf ein spezifisches traumatisches Ereignis oder eine Serie von Ereignissen. Es setzt sich zusammen aus 12 Symptom-Items (6 PTBS, 6 DSO) und 6 Funktionsbeeinträchtigungs-Items (je 3 pro Bereich).
PTSB-Bereich
- Wiedererleben
- Vermeidung
- Bedrohungserleben
- Zusätzlich 3 Items zur Funktionsbeeinträchtigung (z.B. Arbeit, Beziehungen, …)
DSO-Bereich
- Affektregulationsstörung
- Negatives Selbstkonzept
- Beziehungsstörungen
- Zusätzlich 3 Items zur Funktionsbeeinträchtigung
Auswertung und Diagnostik
Ein Symptom gilt ab einem Wert ≥ 2 (mäßig) als klinisch relevant. Für die Diagnose einer PTBS muss mindestens ein Symptom aus jedem der drei PTBS-Cluster sowie eine zugehörige Funktionsbeeinträchtigung vorliegen. Die Diagnose einer KPTBS setzt zusätzlich das vollständige Erfüllen der PTBS-Kriterien sowie jeweils mindestens ein Symptom aus den DSO-Clustern mit entsprechender Funktionsbeeinträchtigung voraus. Es wird entweder eine PTBS- oder eine KPTBS-Diagnose gestellt, nicht beide gleichzeitig; ohne erfüllte PTBS-Kriterien erfolgt keine Diagnose, auch bei vorhandener DSO-Symptomatik.
Neben der kategorialen ist auch eine dimensionale Auswertung möglich: Die Symptomscores für PTBS und DSO liegen jeweils zwischen 0 und 24, der Gesamtscore zwischen 0 und 48. Das ITQ ersetzt kein klinisches Interview, sondern dient als Screening- und Forschungsinstrument.
Gütekriterien
Das ITQ ist an klinischen und nicht-klinischen Stichproben in zahlreichen Ländern und Sprachräumen validiert. Konfirmatorische Faktorenanalysen bestätigen in Validierungsstudien weitgehend die zweifaktorielle Struktur zweiter Ordnung (PTBS/DSO). Die interne Konsistenz zeigt sich als hoch. Die Änderungssensitivität ist mit dem PCL-5 vergleichbar; der Einsatz in klinischen Interventionsstudien ist psychometrisch belegt. [1][2][3]
Versionen
Neben der Standardversion für Erwachsene (>30 Sprachen) liegen folgende Adaptionen vor:
- ITQ-CA: Kinder und Jugendliche (Selbstbericht)
- ITQ-CG: Fremdbeurteilung durch Bezugspersonen
- ITQ-CC: Erweiterung mit klinischen Checks
- Version für Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen (angepasste Itemformate)
Abgrenzung
Das ITQ ist nicht mit DSM-5-basierten Instrumenten (z.B. PCL-5) austauschbar. Die ICD-11-PTBS definiert ein schmaleres Kernsymptomspektrum als die DSM-5-PTBS; kognitive und emotionale Negativveränderungen des DSM-5 fließen im ICD-11-Modell in das DSO-Konstrukt der KPTBS ein. Eine direkte Diagnoseäquivalenz zwischen beiden Klassifikationssystemen besteht nicht.
Literatur
- ↑ Cloitre M, Shevlin M, Brewin CR, et al. The International Trauma Questionnaire: development of a self-report measure of ICD-11 PTSD and complex PTSD. Acta Psychiatr Scand. 2018;138(6):536-546.
- ↑ Redican E, Nolan E, Hyland P, et al. A systematic literature review of factor analytic and mixture models of ICD-11 PTSD and CPTSD using the International Trauma Questionnaire. J Anxiety Disord. 2021;79:102381.
- ↑ Hyland P, Brewin CR, Cloitre M, Karatzias T, Shevlin M. Responding to concerns related to the measurement of ICD-11 complex posttraumatic stress disorder using the International Trauma Questionnaire. Child Abuse Negl. 2024;147:106563.
Weblink
- Psychologisches Institut, Universität Zürich: Der Internationale Trauma Questionnaire – deutsche Version