ISAR
Definition
ISAR, kurz für Identification of Seniors at Risk, ist ein standardisiertes Screeningverfahren in der Notaufnahme, um ältere Patienten mit erhöhtem Risiko für funktionelle Verschlechterung, erneute Krankenhausaufnahme oder Pflegebedürftigkeit zu identifizieren. Ziel ist es, Patienten mit potenziell ungünstigem Verlauf rasch einer weiterführenden geriatrischen Abklärung oder spezifischen Versorgungsmaßnahmen zuzuführen.
Inhalt
Der ISAR-Test besteht aus sechs Fragen, die zentrale Risikofaktoren erfassen:
- Bedarf an Unterstützung im Alltag vor der aktuellen Erkrankung
- Zunahme des Unterstützungsbedarfs seit der Erkrankung
- Vorangegangene Krankenhausaufenthalte
- Gedächtnisprobleme
- Sehprobleme
- Einnahme mehrerer Medikamente (Polypharmazie)
Bewertung
Jede bejahte Frage wird mit einem Punkt gewertet. Ab einem Score von ≥ 2 gilt der Test als auffällig und weist auf ein erhöhtes Risiko für ungünstige Verläufe hin.
Klinische Relevanz
ISAR ist einfach und schnell durchführbar und eignet sich zur Risikostratifizierung in der Akutversorgung. Ein auffälliges Ergebnis sollte Anlass für eine umfassendere geriatrische Beurteilung (z. B. multidimensionales Assessment) sein. Der ISAR ist ein Screening- und kein Diagnoseinstrument. Er erfasst Risikofaktoren, ersetzt jedoch nicht die differenzierte geriatrische Diagnostik.