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Hauben-Pansen-Motorik

Synonym: Pansenmotorik

1 Definition

Als Hauben-Pansen-Motorik bzw. Pansenmotorik bezeichnet man eine Abfolge an Bewegungen der beiden Vormägen Haube und Pansen beim Wiederkäuer. Sie dient der Durchmischung und dem anschließenden Weitertransport des Panseninhaltes in den Blättermagen.

2 Anatomie

Wiederkäuer besitzen einen mehrhöhligen Magen, der aus mehreren Abteilungen aufgebaut ist. An den Ösophagus schließen folgende Magenabteilungen an:

  • Pansen (Rumen)
  • Haube (Reticulum)
  • Blättermagen (Omasum)
  • Labmagen (Abomasum)

Die Haube kann funktionell zum Pansen gerechnet werden. Sie ist dessen kranialer kugeliger Abschnitt und steht in enger Beziehung zum Pansen. Zusammen bilden sie den größten Anteil am Vormagensystem der Wiederkäuer und füllen so den gesamten linken und einen Teil des rechten Bauchraumes aus.

Nachdem die Nahrung ausreichend zerkleinert wurde, gelangt sie durch das Ostium reticuloomasicum in den Blättermagen. Dort wird durch eigenständige Kontraktionen (Psalterkontraktionen) überschüssiges Wasser aus dem Nahrungsbrei gepresst. Der eingedickte Blättermageninhalt gelangt anschließend in den eigentlichen Drüsenmagen, den Labmagen. Hier wird der Speisebrei chemisch aufbereitet und anschließend in den Dünndarm weitergeleitet.

3 Physiologie

Die Hauben-Pansen-Motorik ist durch charakteristische regelmäßige, stereotype Kontraktionssequenzen ausgezeichnet. Diese Kontraktionen erfassen dabei nacheinander die verschiedenen Anteile von Haube und Pansen. Dabei werden sogenannte A-Zyklen (primäre Zyklen) und B-Zyklen unterschieden.

3.1 A-Zyklen

Die A-Zyklen breiten sich von kranial nach kaudal aus. Dabei beginnt jeder einzelne A-Zyklus mit einer biphasischen Haubenkontraktion. Im Zuge der ersten Haubenkontraktion verkleinert sich die Haube auf etwa die Hälfte ihrer ursprünglichen Größe. Im Anschluss folgt eine teilweise Relaxation, an die sich unmittelbar die zweite Haubenkontraktion anschließt. Diese ist in Summe deutlich kräftiger ausgeprägt als die erste und lässt das Lumen der Haube nahezu verschwinden. An die zweite Haubenkontraktion schließt die Kontraktion des Pansenvorhofes (Atrium ruminis) an, die zu einem Rückfluss der Ingesta in die sich relaxierende Haube führt.

Zu diesem Zeitpunkt beginnt sich der dorsale Pansensack (Saccus dorsalis) von kranial nach kaudal fortschreitend zu kontrahieren. Durch die Kontraktionswelle ziehen sich alle Pansenpfeiler ringförmig zusammen und bewegen sich nach dorsal. Anschließend kontrahiert der ventrale Pansensack (Saccus ventralis), sodass sich die Pfeiler wieder nach ventral bewegen. Dadurch kann die Flüssigkeit über den kranialen Pansenpfeiler wieder nach kranial in den Pansenvorhof gelangen.

3.2 B-Zyklen

Die auf die A-Zyklen folgenden B-Zyklen laufen ohne Beteiligung von Haube und Pansenvorhof ab. Der einzelne B-Zyklus beginnt mit einer Kontraktion des ventralen Blindsackes (Saccus caecus caudoventralis) mit sich anschließender Kontraktion des dorsalen und dann des ventralen Pansensackes.

3.3 Klinik

Die Pansenkontraktionen können adspektorisch in der linken Hungergrube beobachtet werden. Durch Auskultation in diesem Bereich kann die Frequenz bestimmt werden. Hier sollte ein kräftiges Knisterrauschen wahrgenommen werden, das durch das Vorbeistreichen grober Ingestapartikel an der sich kontrahierenden Wand des dorsalen Pansensackes entsteht. Beim gesunden Wiederkäuer können etwa drei Kontraktionen in zwei Minuten erfasst werden. Man kann dabei nicht zwischen A- und B-Zyklen unterscheiden. Die Pansenfrequenz ist während der Futteraufnahme nahezu doppelt so hoch.

Die Motorik von Haube und Pansen ermöglicht eine intensive Durchmischung der Nahrung. Außerdem werden durch die Kontraktionswellen die Abgabe der Pansengase (Ruktus) und der geregelte Weitertransport von Ingesta aus dem Reticulorumen (Pansen und Haube) in den Blättermagen gewährleistet.

4 Literatur

  • von Engelhardt, Wolfgang, et al. Physiologie der Haustiere. Georg Thieme Verlag, 2015
  • König, Horst Erich, Hans-Georg Liebich. Anatomie der Haussäugetiere: Lehrbuch und Farbatlas für Studium und Praxis. Schattauer Verlag, 2014

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