Fencheltee
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LoslegenEnglisch: fennel tea
Definition
Fencheltee ist ein Arzneitee, der aus den getrockneten, reifen Früchten der Fenchelpflanze (Foeniculum vulgare) hergestellt wird.
Botanik
Fenchel gehört zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Arzneilich verwendet werden die Spaltfrüchte des Bitterfenchels und des Süßfenchels. Die Früchte werden umgangssprachlich oft als „Samen" bezeichnet.
Inhaltsstoffe
Fencheltee enthält Bestandteile des ätherischen Öls, insbesondere Anethol, Fenchon und Estragol. Hinzu kommen Flavonoide und Cumarine. Bitterfenchel ist reicher an Fenchon und schmeckt dadurch bitterer als Süßfenchel.
Die Estragolexposition durch Fencheltee variiert erheblich zwischen verschiedenen Produkten.[1]
Wirkmechanismus
Den Inhaltsstoffen des ätherischen Öls werden vor allem spasmolytische, karminative und sekretolytische Effekte zugeschrieben. Die Daten stammen überwiegend aus präklinischen Untersuchungen.
Indikationen
Fencheltee wird in der Phytotherapie und in der Volksmedizin eingesetzt. Das HMPC (Herbal Medicinal Product Committee) der EMA führt Bitter- und Süßfenchel als traditionelle pflanzliche Arzneimittel für folgende Anwendungsgebiete:[2][3]
- leichte, krampfartige Magen-Darm-Beschwerden mit Völlegefühl und Flatulenz
- Schleimlösung bei Husten im Rahmen einer Erkältung
- leichte Krämpfe bei Menstruationsbeschwerden (ab 12 Jahren)
Für weitere volksmedizinische Anwendungen, z.B. zur Förderung der Laktation, fehlt eine ausreichende Evidenz. Die Früchte werden kurz vor der Zubereitung angestoßen, mit kochendem Wasser übergossen und 15 Minuten ziehen gelassen.
Nebenwirkungen
Es können allergische Reaktionen an Haut oder Atemwegen auftreten. Die Häufigkeit ist nicht bekannt.[2][3]
Kontraindikationen
Kontraindiziert ist Fencheltee bei:[2][3]
- Überempfindlichkeit gegen Doldenblütler (z.B. Anis, Kümmel, Sellerie, Koriander, Dill) oder gegen Anethol
- Allergie gegen Beifußpollen (Kreuzreaktivität)
Bei Kindern unter 4 Jahren sowie in Schwangerschaft und Stillzeit wird die Anwendung mangels ausreichender Daten nicht empfohlen. Trans-Anethol geht in die Muttermilch über.[2][3]
Toxikologie
Estragol gilt im Nagetiermodell als genotoxisches Karzinogen. Das HMPC empfiehlt daher, die Estragol-Exposition so gering wie möglich zu halten. Als Richtwerte gelten für Schwangere und Stillende weniger als 0,05 mg pro Tag, für Kinder unter 12 Jahren weniger als 1,0 µg/kg Körpergewicht pro Tag. Diese Werte sind keine gesicherten Unbedenklichkeitsgrenzen.[2][4]
Quellen
- ↑ Mihats D et al. Levels of estragole in fennel teas marketed in Austria and assessment of dietary exposure. Int J Food Sci Nutr. 2017;68(5):569-576.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 HMPC. European Union herbal monograph on Foeniculum vulgare Miller subsp. vulgare var. vulgare, fructus. Final – Revision 1. EMA/HMPC/372841/2016. 2024.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 HMPC. European Union herbal monograph on Foeniculum vulgare Miller subsp. vulgare var. dulce (Mill.) Batt. & Trab., fructus. Final – Revision 1. EMEA/HMPC/372839/2016. 2024.
- ↑ HMPC. Public statement on the use of herbal medicinal products containing estragole. EMA/HMPC/137212/2005 Rev 1 Corr 1.