Endwirbel
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LoslegenEnglisch: end vertebra
Definition
Als Endwirbel bezeichnet man in der Radiologie den kranialen bzw. kaudalen Wirbel am Rand einer Krümmung der Wirbelsäule im Rahmen einer Skoliose, dessen Deck- bzw. Grundplatte im Röntgenbild die stärkste Neigung gegenüber der Horizontalen aufweist.[1]
Bestimmung
Radiologisches Kriterium
Zur praktischen Identifikation dient die Röntgenaufnahme im Stehen (Frontalebene). Die Endwirbel werden anhand der maximal geneigten Endplatten an den Grenzen der jeweiligen Krümmung bestimmt.
Abgrenzung zum Scheitelwirbel
Der Scheitelwirbel liegt im Zentrum der Krümmung und weist die größte seitliche Verschiebung von der Mittelachse sowie die stärkste axiale Rotation auf. Er dient nicht der Winkelmessung, sondern der Beurteilung des Ausmaßes der Wirbelkörperrotation.
Abgrenzung zum Neutralwirbel
Endwirbel und Neutralwirbel werden in der Literatur uneinheitlich behandelt und teils synonym verwendet, beruhen jedoch auf unterschiedlichen Definitionskriterien:
| Bezugswirbel | Definitionskriterium | Zweck |
|---|---|---|
| Endwirbel | stärkste Neigung von Deck-/Grundplatte gegenüber der Horizontalen | Bestimmung des Cobb-Winkels |
| Neutralwirbel | geringe oder fehlende axiale Rotation | Beurteilung des Rotationsausmaßes |
Bei den meisten Skoliosen fallen die Wirbel mit der stärksten Endplattenkippung und der fehlenden Rotation zusammen, sodass beide Bezugspunkte praktisch denselben Wirbel bezeichnen. Ausnahmen sind jedoch möglich, bei denen Endwirbel und Neutralwirbel voneinander abweichen.
Anwendung
Der kraniale und der kaudale Endwirbel einer Krümmung bilden die Grundlage der Cobb-Winkel-Messung.[2] Dabei werden zwei Linien eingezeichnet:
- eine Verlängerungslinie entlang der Oberkante des kranialen Endwirbels
- eine Verlängerungslinie entlang der Unterkante des kaudalen Endwirbels
Der Cobb-Winkel entspricht dem Winkel zwischen beiden Linien bzw. sofern sich diese außerhalb des Röntgenbildes schneiden, dem Winkel zwischen den auf ihnen errichteten Lotgeraden.
Klinische Bedeutung
Die korrekte Bestimmung der Endwirbel ist Voraussetzung für eine reproduzierbare Verlaufskontrolle der Skoliose sowie für die Festlegung der operativen Fusionsstrecke. Eine Winkeländerung von mehr als 5° zwischen zwei Aufnahmen gilt als Hinweis auf eine Progredienz der Krümmung und beeinflusst die Wahl zwischen konservativer Therapie (Physiotherapie, Korsett) und operativer Versorgung mittels Spondylodese.
Fehlerquellen
Die Auswahl der Endwirbel unterliegt einer relevanten Inter- und Intraobserver-Variabilität, die als eine der Hauptfehlerquellen der Cobb-Winkel-Messung gilt.[2] Bereits Morrissy et al. zeigten, dass die manuelle Auswahl der Endwirbel durch den Untersucher einen wesentlichen Anteil der Interobserver-Variabilität ausmacht, die sich deutlich reduziert, wenn die Endwirbel vorgegeben statt frei gewählt werden.[3] Digitale und smartphonegestützte Messverfahren zeigen im Vergleich zur manuellen Methode eine vergleichbar hohe Interobserver-Reliabilität, können die grundsätzliche Abhängigkeit von der korrekten Endwirbelauswahl jedoch nicht vollständig beseitigen.[4]
Quellen
- ↑ Terminology Committee, Scoliosis Research Society, A glossary of scoliosis terms, Spine, 1976
- ↑ 2,0 2,1 Jin et al., A Review of the Methods on Cobb Angle Measurements for Spinal Curvature, Sensors (Basel), 2022
- ↑ Morrissy et al., Measurement of the Cobb angle on radiographs of patients who have scoliosis. Evaluation of intrinsic error, J Bone Joint Surg Am, 1990
- ↑ Ketenci et al., Reliability of 2 Smartphone Applications for Cobb Angle Measurement in Scoliosis, Clin Orthop Surg, 2021
Literatur
- Cobb, Outline for the study of scoliosis, Instr Course Lect, 1948
- Lonstein, Moe's Textbook of Scoliosis and Other Spinal Deformities, Saunders, 1995
- Waldt und Woertler, Messverfahren und Klassifikationen in der muskuloskelettalen Radiologie, 2. Auflage, Thieme, 2017
- Niethard et al., Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie, 6. Aufl., Thieme, 2009