DIVA-Prinzip
Synonym: DIVA-Strategie
Englisch: DIVA principle, DIVA strategy
Definition
Unter dem DIVA-Prinzip, kurz für Differentiating Infected from Vaccinated Animals, versteht man ein diagnostisches Konzept, mit dem geimpfte Tiere von Tieren unterschieden werden können, die mit dem entsprechenden Feldvirus infiziert sind.
Hintergrund
Das DIVA-Prinzip wurde Mitte der 1980er-Jahre entwickelt und hat sich als zuverlässiges Instrument in der modernen Tierseuchenbekämpfung etabliert. Ziel dieses Konzepts ist es, geimpfte Tiere serologisch von Tieren zu unterscheiden, die mit dem Feldvirus infiziert sind.
In der Tierseuchenbekämpfung steht häufig die Verhinderung einer weiteren Ausbreitung des Erregers auf andere Bestände oder Regionen im Vordergrund. Zu diesem Zweck müssen infizierte sowie ansteckungsverdächtige Tiere unter Umständen getötet werden. Ein wesentliches Problem herkömmlicher Impfstoffe bestand jedoch darin, dass geimpfte Tiere im serologischen Test nicht von tatsächlich infizierten Tieren unterschieden werden konnten.
Für ein wirksames Bekämpfungs- und Tilgungsprogramm ist diese Unterscheidung von zentraler Bedeutung, da nur Tiere mit einer Feldvirusinfektion entfernt werden sollten. Gleichzeitig ist die sichere Identifikation infizierter Tiere eine wesentliche Voraussetzung für den Erhalt des Seuchenfreiheitsstatus und damit für einen sicheren nationalen und internationalen Tierhandel. Das DIVA-Prinzip schafft hierfür die diagnostische Grundlage.
Prinzip
Allgemein
In der Markerdiagnostik spielen zwei grundlegende Strategien eine Rolle. Man unterscheidet zwischen:
- Negativmarker-Prinzip
- Positivmarker-Prinzip
Beim Negativmarker-Prinzip fehlt dem Impfstoff ein bestimmtes Antigen des Feldvirus. Dadurch bilden geimpfte Tiere keine Antikörper gegen dieses spezifische Antigen, während infizierte Tiere entsprechende Antikörper entwickeln.
Beim Positivmarker-Prinzip wird dem Impfstoff ein zusätzliches, im Wildtyp nicht vorkommendes Markerantigen hinzugefügt. Geimpfte Tiere entwickeln dadurch Antikörper gegen dieses zusätzliche Antigen, während infizierte Tiere ohne Impfung diese Antikörper nicht aufweisen.
In der Praxis werden DIVA-Impfstoffe überwiegend als Negativmarker- bzw. Deletionsvakzinen eingesetzt. Ergänzt wird das Konzept durch spezifische diagnostische Tests, die eine serologische Differenzierung ermöglichen. Im Rahmen von Seuchenfreiheitsuntersuchungen werden Probenseren beispielsweise mittels ELISA auf Antikörper untersucht, die ausschließlich nach Infektion mit dem Feldvirus nachweisbar sind.
Beispiel: Negativmarker-Prinzip
Das Feldvirus besitzt drei Antigene (Ag1, Ag2 und Ag3). Bei einer Infektion bildet das Immunsystem Antikörper gegen alle drei Antigene (Ak1, Ak2 und Ak3).
Das Impfvirus enthält hingegen nur zwei dieser Antigene (Ag1 und Ag2), sodass nach der Impfung ausschließlich Antikörper gegen diese beiden Antigene gebildet werden (Ak1 und Ak2). Das Antigen Ag3 dient in diesem Beispiel als Markerantigen und ist im Impfstoff nicht enthalten.
Ein Probenserum wird anschließend serologisch untersucht:
- Nachweis von Ak1, Ak2 und Ak3: Das Tier ist mit dem Feldvirus infiziert oder war infiziert.
- Nachweis von Ak1 und Ak2, kein Ak3: Das Tier wurde geimpft und ist nicht mit dem Feldvirus infiziert.
Praxisbeispiele
Beispiele für Tierseuchen, deren Ausbreitung durch den Einsatz des DIVA-Prinzips im Rahmen von Bekämpfungs- und Eradikationsprogrammen erfolgreich kontrolliert werden konnte, sind die infektiöse bovine Rhinotracheitis (IBR/IPV), verursacht durch das Bovine Herpesvirus Typ 1 (BHV-1), sowie die Aujeszky-Krankheit beim Schwein.
Literatur
- Selbitz HJ et al. Tiermedizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre. 9. Aufl. Enke; 2011
- Elite Magazin. Mit Markerimpfstoffen erfolgreich im Kampf gegen Tierseuchen, abgerufen am 15.05.2026