Continous Performance Test
Synonyme: Daueraufmerksamkeitstest, CPT
Definition
Der Continuous Performance Test, kurz CPT, ist ein standardisiertes, überwiegend computergestütztes neuropsychologisches Testverfahren zur objektiven Erfassung von Aufmerksamkeitsleistungen. Untersucht werden insbesondere die Daueraufmerksamkeit, die selektive Reizverarbeitung sowie Aspekte der Impulskontrolle. Der CPT wird als leistungsbasiertes Verfahren ergänzend innerhalb einer umfassenden klinischen Diagnostik eingesetzt.
Hintergrund
CPT-Verfahren wurden entwickelt, um Aufmerksamkeitsprozesse unter monotonen und zeitlich anhaltenden Bedingungen messbar zu machen. Sie gehören zu den etablierten Instrumenten der Neuropsychologie und werden sowohl in der klinischen Praxis als auch in der Forschung verwendet. Durch die kontinuierliche Reizdarbietung lassen sich Aufmerksamkeitsstabilität, Reaktionskonsistenz und inhibitorische Kontrollmechanismen erfassen.
Durchführung
Während des Tests werden visuelle oder akustische Stimuli in rascher Abfolge präsentiert. Die Testperson reagiert auf definierte Zielreize und unterdrückt die Reaktion bei Nicht-Zielreizen. Die Aufgabenanforderungen bleiben über die gesamte Testdauer konstant, um eine anhaltende Aufmerksamkeitsleistung zu prüfen.
Je nach Testvariante kommen einfache Reaktionsaufgaben oder kontextabhängige Reizfolgen zum Einsatz. Die Testdauer beträgt in der Regel zehn bis zwanzig Minuten.
Auswertung
Die Auswertung basiert auf mehreren Kennwerten, die unterschiedliche Aspekte der Aufmerksamkeitsleistung abbilden. Dazu zählen Auslassungsfehler, Fehlreaktionen auf Nicht-Zielreize, mittlere Reaktionszeiten sowie die intraindividuelle Schwankung der Reaktionszeiten. Ergänzend können signalentdeckungstheoretische Maße herangezogen werden, um Sensitivität und Antworttendenz getrennt zu beurteilen.
Klinische Bedeutung
Der CPT wird insbesondere in der Diagnostik von Aufmerksamkeits- und Impulskontrollstörungen eingesetzt. Ein zentraler Anwendungsbereich ist die ADHS-Diagnostik bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, wo er zur objektiven Leistungsbeurteilung beiträgt. Darüber hinaus findet der CPT Anwendung bei neuropsychiatrischen Erkrankungen, nach Hirnschädigungen sowie im Rahmen differenzialdiagnostischer Fragestellungen bei Aufmerksamkeitsstörungen.
Der Test ist nicht als alleiniges Diagnoseinstrument geeignet, sondern stellt einen ergänzenden Baustein innerhalb einer multimodalen Diagnostik dar.
Interpretation
Die Interpretation erfolgt anhand alters- und gegebenenfalls geschlechtsspezifischer Normwerte. Eine erhöhte Zahl an Auslassungsfehlern weist auf eine eingeschränkte Aufmerksamkeitsleistung hin, während vermehrte Fehlreaktionen als Ausdruck einer reduzierten Impulskontrolle gewertet werden. Eine ausgeprägte Variabilität der Reaktionszeiten spricht für eine instabile Aufmerksamkeitssteuerung.
Einzelne Kennwerte sind nicht krankheitsspezifisch und müssen stets im klinischen Gesamtkontext interpretiert werden.
Limitationen
Die Testergebnisse können durch situative Faktoren wie Motivation, Ermüdung, emotionale Belastung oder Medikation beeinflusst werden. Zudem bildet der CPT vor allem basale Aufmerksamkeits- und Inhibitionsprozesse unter standardisierten Bedingungen ab. Die Abbildung komplexer alltagsbezogener Anforderungen ist daher nur eingeschränkt möglich.
Literatur
- Riccio et al., The continuous performance test: a window on the neural substrates for attention?, Arch Clin Neuropsychol, 2002
- Hall et al., The clinical utility of the continuous performance test and objective measures of activity for diagnosing and monitoring ADHD in children: a systematic review, Eur Child Adolesc Psychiatry, 2016