Amsler-Gitter-Test
Definition
Der Amsler-Gitter-Test ist ein subjektiver Sehtest. Er dient der Erkennung von Störungen im zentralen Gesichtsfeld, besonders im Bereich der Makula. Die getestete Person fixiert einen Punkt in einem quadratischen Gitternetz und berichtet über Metamorphopsien, Skotome oder andere Unregelmäßigkeiten.
Hintergrund
Die Makula ist für das scharfe Sehen und das Erkennen von Details verantwortlich. Erkrankungen in diesem Bereich, etwa durch degenerative, vaskuläre oder entzündliche Prozesse, führen häufig zu Metamorphopsien oder Skotomen im zentralen Gesichtsfeld. Diese werden oft subjektiv vom Patienten wahrgenommen, jedoch nicht immer objektiv durch einfache Untersuchungen erfasst.
Durchführung
Der Patient bedeckt ein Auge. Er hält das Amsler-Gitter im Lesebereich mit einem Testabstand von etwa 30–40 cm vor das andere Auge. Wenn nötig, erfolgt eine Nahkorrektur. Er fixiert den zentralen Punkt im Gitter und beschreibt, ob die Linien gerade erscheinen oder ob sie verzerrt, unterbrochen, verschwommen oder fehlend sind. Anschließend wird dasselbe mit dem anderen Auge wiederholt.
Der Test kann in der Praxis oder regelmäßig als Selbsttest zu Hause durchgeführt werden.
Aussagekraft
Der Test erfasst Veränderungen im zentralen Gesichtsfeld von etwa 10-20 Grad. Verzerrte Linien deuten auf eine Verschiebung der Photorezeptoren durch subretinale Flüssigkeit oder epiretinale Traktion hin, fehlende Bereiche auf mögliche Skotome.
Indikationen
Typische Anwendungsgebiete sind u.a.:
- Altersabhängige Makuladegeneration (AMD)
- Diabetische Makulopathie
- Makulaödem
- Epiretinale Membran
- Zentralvenenverschluss oder andere vaskuläre Makulaveränderungen
Limitationen
Der Amsler-Gitter-Test ersetzt keine apparative Diagnostik wie die optische Kohärenztomographie (OCT). Er ist stark von der Compliance und der Wahrnehmungsfähigkeit des Patienten abhängig. Seine Sensitivität ist relativ gering. Kleine oder sehr frühe Veränderungen können übersehen werden.