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Überlebensschuld-Syndrom

(Weitergeleitet von Überlebenden-Syndrom)

Synonyme: KZ-Syndrom, Holocaust-Syndrom, Überlebenden-Syndrom
Englisch: Survivor guilt, survivor Syndrome

1 Definition

Das Überlebensschuld-Syndrom ist eine Variante der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Die Betroffenen empfinden Schuldgefühle, eine Extremsituation überlebt zu haben, bei der viele Menschen ums Leben gekommen sind.

2 Begriffsherkunft

Ursprünglich wurde der Begriff Überlebensschuld-Syndrom von William G. Niederland, einem deutsch-amerikanischen Psychiater geprägt. Er verwendete ihn für KZ-Opfer, die von extremen Schuldgefühlen betroffen waren. Zuvor wurden schon ähnliche Zusammenhänge beschrieben, es fehlte jedoch ein eigenständiger Terminus.

3 Ursachen

Betroffene sind meist Überlebende einer Extremsituation, bei der viele Menschen um sie herum gestorben sind, ohne dass sie ihnen helfen konnten. Zu solchen Ereignissen zählen zum Beispiel:

Gemeinsame Merkmale dieser Ereignisse sind eine Atmosphäre der Bedrohung, häufiger Todesangst oder -gefahr und eine gefühlte Schutzlosigkeit. Das Syndrom kann aber auch durch kleinere Ereignisse ausgelöst werden, so zum Beispiel durch den Tod einer nahestehenden Person. In der Regel tritt es jedoch erst auf, wenn mehrere Menschen im Umfeld der betroffenen Person sterben.

4 Symptome

Das Leitsymptom des Überlebensschuld-Syndroms ist das zermürbende Schuldgefühl. Begleitend treten oft Depressionen, Unsicherheit und Apathie auf. Schlaflosigkeit, Unsicherheit und Angstzustände, sowie Schlaflosigkeit sind ebenfalls häufig zu beobachten, wodurch eine Wahnsymptomatik begünstigt wird. Die psychische Belastung durch die Symptome führt bei den Betroffenen ebenfalls oft zu psychosomatischen Krankheiten.

5 Therapie

Die Behandlung von Betroffen des Überlebensschuld-Syndroms erfolgt größtenteils über Psychotherapie. Bei schweren Fällen kann eine zusätzliche medikamentöse Therapie in Betracht gezogen werden, hier können zum Beispiel Paroxetin, Mirtazapin oder Amitriptylin gegeben werden.

Gerade das Erinnern an die traumatischen Erlebnisse ist für Patienten schwer belastend, einige sind sogar komplett unfähig, sich ihre Erlebnisse ins Gedächtnis zu rufen. Bei starken Einschränkungen im Alltag oder besonders starken Panikzuständen kann eine teilstationäre oder stationäre Behandlung von Vorteil sein.

Als psychotherapeutischer Behandlungsansatz eignet sich die kognitive Verhaltenstherapie nach behavioralem Modell von Kozak und Foa, bei der die Patienten direkt mit ihrem Trauma konfrontiert werden. Eine andere Methode ist das metakognitive Modell, bei dem der posttraumatische Denkstil verändert wird.

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