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Phobischer Schwankschwindel

1 Definition

Unter einem phobischen Schwankschwindel versteht man einen Schwindel, der typischerweise in Belastungssituationen auftritt und nicht mit vegetativen Symptomen (z.B. Übelkeit und Erbrechen) und Hirnstammsymptomen einhergeht.

2 Epidemiologie

Der phobische Schwankschwindel ist die dritthäufigste Schwindelform (nach der Neuronitis vestibularis und dem benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel).

3 Ätiopathogenese

Belastungssituationen führen über eine psychogene Reaktionsbildung zum phobischen Schwankschwindel. Häufig wird ein sekundärer Krankheitsgewinn erlangt, der die Chronifizierung der Beschwerden fördert.

4 Klinik

Die betroffenen Patienten klagen über Schwindel, der sich durch eine Gangunsicherheit oder ein Schwanken manifestiert und der in der Regel situationsgebunden auftritt. In den seltensten Fällen führen die Beschwerden zum Sturz. Vegetative Begleitsymptome (Übelkeit, Erbrechen, Blutdruckabfall) oder Hirnstammsymptome werden nicht angegeben.

Häufig ist der psychopathologische Befund auffällig: die betroffenen Patienten sind häufig ängstlich und/oder zeigen eine depressive Verstimmung.

5 Differenzialdiagnose

Differenzialdiagnostisch sollte eine organische Ursache des Schwindels ausgeschlossen werden. Dazu gehören z.B. das Subclavian-Steal-Syndrom, eine Erkrankung des Vestibularorgans oder auch Durchblutungsstörungen im Bereich des Hirnstamms. Bei gleichzeitig auftretendem Tinnitus und Verschlechterung des Hörvermögens sollte ebenfalls ein Morbus Menière bedacht werden. Die Gangunsicherheit kann ebenfalls durch eine Polyneuropathie bedingt sein.

6 Diagnostik

Grundlage ist eine ausführliche Anamnese sowie eine gründliche neurologische Untersuchung. Weiterhin sollten eine Funktionsprüfung des Vestibularorgans (z.B. rotatorische Prüfung, thermische Prüfung) und ggf. eine Angiographie erfolgen.

Eine Polyneuropathie kann durch elektrophysiologische Untersuchungen wie die Elektroneurographie ausgeschlossen werden.

7 Therapie

Die Erkrankung sollte durch eine Psychotherapie und eine Verhaltenstherapie behandelt werden. Bei begleitend auftretender Depression ist die Verordnung eines Antidepressivums sinnvoll.

Aufgrund der hohen Suchtgefahr sollten die anxiolytisch wirkenden Benzodiazepine nur kurzfristig oder gar nicht verordnet werden.

Eine physiotherapeutische Behandlung mit Gangschulung kann ebenfalls sinnvoll sein, um die Gangunsicherheit zu beheben.

8 Prognose

Wenn bereits eine Chronifizierung erfolgt ist, ist die Prognose eher ungünstig. Ansonsten ist jedoch ein vollständiges Verschwinden der Beschwerden möglich, wenn die Patienten krankheitseinsichtig sind und die Therapie adäquat ist.

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