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Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel

Synonyme: Peripherer paroxysmaler Lagerungsschwindel, PPLS, BPPV, Cupulolithiasis, Kupulolithiasis, Canalolithiasis

1 Definition

Der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel ist eine häufige, wenn nicht gar die häufigste Schwindelform beim Menschen. Er ist definiert als ein episodischer, lageabhängiger Schwindel mit kurzen, rezidivierenden Drehschwindelattacken, die durch Kopflagerungswechsel auslösbar sind. Er kann mit oder ohne Übelkeit und Oszillopsien auftreten, zeigt jedoch keine Hirnstammzeichen. Erstmals wurde der BPPV ca. 1920 von Barany beschrieben.

ICD10-Code: H81.1

2 Pathomechanismus

Der BPPV wird durch Veränderungen im Gleichgewichtsorgan ausgelöst. Hier existieren zwei verwandte Erklärungsmodelle:

  1. Cupulolithiasis-Modell: Hier dient die Anlagerung von Otolithen an die Cupula als Erklärung. Diese verändert ihre Mechanik, da der Otolith durch sein "Übergewicht" einen zusätzlichen Schwerkraftrezeptor darstellt und dem entsprechend die genannten Beschwerden und Symptome hervorruft.
  2. Canalolithiasis-Modell: Dieses Modell sieht die Ursache in kleinen Absprengseln der Otolithen, z.B. durch Traumen oder degenerative Veränderungen. Diese Teilchen bewegen sich frei im hinteren Bogengang und bilden einen das Lumen fast blockierenden Pfropf. Der Pfropf kann durch rasche Kopflagerung zur Gegenseite aus dem Bogengang herausbewegt werden und verursacht dadurch die typische Symptomatik.

Das Canalolithiasis-Modell wurde 1990 durch die intraoperative Beobachtung von frei flottierenden Partikeln in den Bogengängen durch Parnes und McClure gestützt.

3 Symptome

Das Leitsymptom des benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel sind kurze und heftige Drehschwindelattacken, die zum Teil mit Übelkeit verbunden ist. Sie treten typischerweise (!) beim Hinsetzen, Hinlegen oder beim Drehen im Liegen, manchmal auch bei schnellen Kopfbewegungen auf. Eine kochleäre Symptomatik mit Hörminderung oder Tinnitus tritt nicht auf, was bei der differentialdiagnostischen Abklärung weiterhilft.

Die Beschwerden zeigen meist eine kurze Latenz (ca. 20-30 Sekunden), parallel findet sich ein in der Regel heftiger rotatorischer Nystagmus mit einem sog. Cresendo-Decresendo-Charakter.

4 Diagnose

Obwohl der BPPV deutlich häufiger ist als der Morbus Menière oder der peripher-vestibuläre Ausfall eines Gleichgewichtsorgans, wird er eher zu selten diagnostiziert. Dies kann an der zu ungenauen Anamneseerhebung oder Untersuchung liegen.

Typischerweise findet sich in der sogenannten Lagerungsprüfung nach Hallpike ein rotatorischer Nystagmus zum betroffenen Ohr mit Nystagmus-Umkehr beim Wiederaufrichten. Dabei zeigt sich eine Reproduzierbarkeit und Abnahme der Heftigkeit von Beschwerden und Nystagmus mit jeder Wiederholung des Manövers. Dieses ist auch therapeutisch nutzbar.

5 Differentialdiagnosen

6 Therapie

Eine medikamentöse Therapie ist meist wenig hilfreich, wenn nicht sogar kontraindiziert, da die zentralnervösen Vorgänge beeinflusst werden. Selten kann eine operative Therapie notwendig werden.

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