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Kontrazeption

von lateinisch: contra - gegen; concipere, conceptus - aufnehmen, empfangen
Synonyme: Empfängnisverhütung, Schwangerschaftsverhütung, Konzeptions-Verhütung, Antikonzeption
Englisch: contraception

1 Definition

Als Kontrazeption bezeichnet man Empfängnisverhütung im Sinne der individuellen Familienplanung oder auf staatlicher Ebene zur Lenkung der Geburtenzahlen. Kontrazeption dient dazu, den Geschlechtsverkehr zu ermöglichen und gleichzeitig eine Schwangerschaft zu vermeiden bzw. das Risiko einer Schwangerschaft möglichst gering zu halten.

Je nach geographischem, sozialem und kulturellem Umfeld existieren dazu zahlreiche verschiedene Methoden mit sehr unterschiedlicher Zuverlässigkeit.

2 Methoden

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Empfängnisverhütung mit Hilfsmitteln (Kontrazeptiva) oder ohne. Alle Methoden zielen darauf ab, entweder die Befruchtung der weiblichen Eizelle durch männliche Spermien zu verhindern oder die Einnistung einer befruchteten Eizelle zu vermeiden.

2.1 Barrieremethoden

Zu den gängigen Barrieremethoden gehören:

Bei diesen Methoden erfolgt die empfängnisverhütende Wirkung über eine mechanische Barriere, die den Eintritt des Ejakulats bzw der Samenzellen in den Uterus und damit die Befruchtung der Eizelle verhindern.

2.2 Chemische Kontrazeption

Spermizide bewirken, dass die Samenzellen bei Kontakt abgetötet werden. Sie kommen in Form von Scheidenzäpfchen als alleiniges empfängnisverhütendes Mittel oder als Gel zusammen mit Portiokappe oder Scheidendiaphragma zum Einsatz.

2.3 Hormonale Kontrazeption

Die wichtigen Vertreter sind:

• Verhütungsring (NuvaRing von MSD und Circlet von Pfizer) zur intravaginalen Anwendung

Bei den hormonalen Kontrazeptiva handelt es sich um Östrogen/Gestagenpräparate, die oral oder parenteral verabreicht werden können. Auch eine Kombination von Östrogenen mit Gestagenen in einem Präparat ist möglich.

2.4 Andere Methoden

Neben den bereits genannten Methoden gibt es noch die Möglichkeit der Empfängnisverhütung über Intrauterinpessare (IUP). Das sicherste Mittel ist die operative Sterilisation bei Männern und Frauen, welche aber unter Umständen irreversibel sein kann!

2.5 Kontrazeption ohne Hilfsmittel

Zu den Methoden der unsicheren "natürlichen Kontrazeption" gehören Coitus interruptus, die Temperaturmethode sowie die Kalendermethode.

Bei der Temperaturmethode und der Kalendermethode wird die Kohabitation auf den Zeitraum der unfruchtbaren Tage im Menstruationszyklus beschränkt. Vorraussetzung dafür ist allerdings ein stabiler Menstruationszyklus sowie eine strenge Disziplin beider Partner.

3 Zuverlässigkeit

Die Zuverlässigkeit der Verhütungs-Methode wird als Pearl-Index angegeben, welcher ausdrückt, wie viele von 100 Frauen bei Anwendung der jeweiligen Methode über den Zeitraum eines Jahres hin schwanger werden ("Zahl der ungewollten Schwangeschaften auf 1200 Anwendungsmonate"). Je niedriger der Pearl-Index, desto geringer die Versager-Quote, je höher der Index, desto unzuverlässiger ist die Methode.

Beispiele:

  • Implantate: 0-0,5
  • Mikropille: 0,2-0,5
  • Intauterinpessar: 0,5-2,7
  • Minipille: 0,8-1,5
  • Temperaturmethode: 1
  • Spermizid: 3-25
  • Diaphragma + Spermizid: 4
  • Kondom: 7-14
  • Coitus interruptus: 10-38
  • ungeschützter Geschlechtsverkehr: 80-85

Zu den sichersten Kontrazeptiva gehören also die hormonellen Präparate mit einem Pearl-Index zwischen 0 und 1,5; mechanischen Kontrazeptiva (Kondom, Scheidendiaphragma etc.) sind weniger zuverlässig. Mit Abstand am unzuverlässigsten ist der Coitus interruptus, der nach heutigen Erkenntnissen eigentlich nicht mehr als empfängnisverhütendes Mittel bezeichnet werden sollte, da bereits die Lusttröpfchen des Mannes, welche bereits weit vor der Ejakulation ständig abgesondert werden, eine gewisse Zahl befruchtungsfähiger Samenzellen enthält und somit zu einer Befruchtung führen können.

4 Anwendung

In Deutschland ist Kontrazeption bei Paaren absolut gängig und gesellschaftlich weitgehend akzeptiert (obwohl die direkte Empfängnisverhütung von katholischen Kirche als verwerflich angesehen wird). Mehr als jedes zweite Paar verhütet mit der Pille, knapp 20% nur mit Präservativ, über 10% mit der Spirale, ca. 7% lassen sich sterilisieren. Andere Methoden sind weniger verbreitet.

Dass die wesentliche Rolle bei der Kontrazeption nach wie vor der Frau zukommt, liegt zum einen der verbreiteten Einstellung des Mannes, die Verantwortung von sich weisen, zum anderen aber auch an medizinisch naheliegenden Gründen, nämlich dass die meisten als sicher geltenden Verhütungsmethoden für Frauen, nicht aber für Männer anwendbar sind.

5 Links

siehe auch: Kontrazeptivum, Geschlechtsverkehr, Schwangerschaft

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