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Ceroidlipofuszinose

(Weitergeleitet von Ceroidlipofuszinosen)

Synonyme: NCL, CLN
Englisch: ceroid lipofuscinosis

1 Definition

Ceroidlipofuszinosen, kurz CNLs, sind eine heterogene Gruppe progressiver, neurodegenerativer, erblicher Erkrankungen.

2 Epidemiologie

Betroffen ist eines von etwas 30.000 Neurgeborenen. Damit sind die neuronalen Ceroidlipofuszinosen die häufigste Gruppe hirndegenerativer Krankheiten, die im Kindes- und Jugendalter ihren Anfang nehmen.

3 Genetik

Bisher sind zehn Typen der Erkrankung bekannt, die alle auf Mutationen in verschiedenen Genen beruhen. Die Vererbung verläuft autosomal-rezessiv. Eine Ausnahme stellt die adulte Form (CLN4) dar, die autosomal-dominant vererbt wird.

4 Symptome und Verlauf

Die einzelnen CNL-Formen unterscheiden sich durch das Alter der Patienten bei Krankheitsbeginn. Die Hauptsymptome:

treten je nach Erkrankungsbeginn variabel auf.


Krankheitsverlauf2.JPG

5 Klassifikation

Typ Bezeichnung betroffenes Gen Manifestationsalter andere Bezeichnung(en)
CLN1 infantile NCL PPT1 spätes Säuglingsalter, auch Erwachsenenalter Hagberg-Santavuori-Krankheit
CLN2 (klassische) spätinfantile NCL TPP1 Kleinkindalter Jansky-Bielschowsky-Krankheit
CLN3 (klassische) juvenile NCL CLN3 Schulalter Stengelsche Krankheit, Vogt-Spielmeyer-Stock-Krankheit (VSS), Batten disease
CLN4 adulte NCL (autosomal rezessiv oder dominant) DNAJC5 Erwachsenenalter Kufs-Syndrom, Batten-Kufs-Syndrom
CLN5 (finnische) spätinfantile NCL CLN5 Kleinkindalter
CLN6 Indisch-iberische NCL CLN6 Kleinkindalter
CLN7 türkische NCL MFSD8 Kleinkindalter
CLN8 nordische Epilepsie CLN8 Schulalter
CLN9 noch unbenannt CLN9 Schulalter
CLN10 noch unbenannt CTSD ab der Geburt

6 Diagnostik

Bei der kongenitalen Form (CLN10) sind, im Gegensatz zu allen anderen CLN-Formen, die Kinder bereits ab Geburt eindeutig krank. Die Kinder fallen mit Mikrozephalie und Krampfanfällen auf. Die Diagnostik erfolgt durch Messung der Aktivität von Cathepsin D in Leukozyten oder Hautfibroblasten. Das lysosomale Enzyms wird durch das Gen CTSD codiert. Bei eindeutig verminderter Aktivität steht die Diagnose fest, doch sollte zusätzlich eine Mutationsanalyse des betroffenen Gens durchgeführt werden, um der betroffenen Familie eine sichere genetische Beratung zu ermöglichen.

Bei Beginn der Erkrankung im Kleinkindalter sollten als erstes Enzymtests (Palmitoyl-Protein-Thioesterase auffällig bei CLN1 und Tri-Peptidyl-Peptidase bei CLN2) durchgeführt werden. Sind diese unauffällig, so sollte in Gewebeproben nach den charakteristischen Ablagerungen, den Ceroid-Lipofuszinen, gesucht werden.

Bei Erkrankungsbeginn im Schulalter sollte ein Blutausstrich auf Lymphozytenvakuolen untersucht werden. Sind diese vorhanden, so gilt die Diagnose der juvenilen CNL (CLN3) als sicher. Es kann zusätzlich eine molekulargenetische Analyse des CLN3-Gens erfolgen. Bei keiner Mutation hier sollte an atypische Formen (z.B. protrahierter Verlauf einer CLN1 oder CLN2) oder andere Mutationen (z.B. CLN8 oder CLN9) gedacht werden. Zur Diagnosesicherung der CLN sollte auch hier in Gewebeproben nach den charakteristischen Ablagerungen, den Ceroid-Lipofuszinen, gesucht werden.

7 Therapie

Da bislang keine kausale Therapie bekannt ist, sind symptomatische Behandlungen angezeigt. Eine umfassende palliativmedizinische Betreuung steht im Vordergrund.

8 Weiteres

Forschungsaktivitäten werden unter anderem von der NCL- Stiftung [1] unterstützt.

Um eine frühzeitige Diagnose zu ermöglichen, werden Ärzte speziell für die NCL sensibilisiert. Für Kinderärzte z.B. über dieses Merkblatt: [2]

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