Peroneusparese
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LoslegenSynonyme: Peronaeusparese, Peronäuslähmung, Fibularisparese, Fibularislähmung
Englisch: peroneal nerve palsy
Definition
Unter dem Begriff Peroneusparese versteht man eine Läsion des Nervus peroneus communis (Nervus fibularis communis).
Hintergrund
Die Läsion des Nervus peroneus communis zählt zu den häufigen Kompressionsneuropathien der unteren Extremität.[1]
Ätiopathogenese
Die exponierte Lage des Nervus peroneus communis im Bereich des Fibulaköpfchens führt dazu, dass der Nerv sehr anfällig für eine Schädigung durch mechanischen Druck ist. Patienten, die nur wenig Muskel- und Fettgewebe besitzen oder in kurzer Zeit sehr viel Gewicht verlieren, sind schneller von einer Läsion betroffen. Auch eine Fraktur der Fibula, ein Unterschenkelgips mit schlechter Polsterung des Fibulaköpfchens, ein Kompartmentsyndrom sowie ein längeres Übereinanderschlagen der Beine können zu einer Läsion des Nerven führen. Ein Ganglion im Bereich des proximalen Tibiofibulargelenks, ein Neurinom, ein Tumor und eine Baker-Zyste können ebenfalls Ursache einer Peroneusparese sein.[2]
Klinik
Der Nervus peroneus communis teilt sich in den Nervus peroneus superficialis, der den Musculus peroneus longus und den Musculus peroneus brevis versorgt, sowie in den Nervus peroneus profundus, der für die Innervation des Musculus tibialis anterior, Musculus extensor digitorum longus, Musculus extensor hallucis longus, Musculus extensor digitorum brevis und Musculus extensor hallucis brevis verantwortlich ist. Zusätzlich werden der laterale Unterschenkel und der Fußrücken sensibel versorgt.
Ein Ausfall des Nervus peroneus communis führt somit zu einer Parese der Fußheber und der Zehenheber, was zum so genannten Steppergang führt. Weiterhin kann der Fuß nur noch in geringem Maße proniert werden.
Sensibilitätsstörungen werden im Bereich des lateralen Unterschenkels und des Fußrückens angegeben.
Differenzialdiagnose
Differenzialdiagnostisch sollte an ein L5-Syndrom gedacht werden. Jedoch führt dieses Syndrom zusätzlich zu Schmerzen im betroffenen Dermatom sowie zu einer Abschwächung des Tibialis-posterior-Reflexes. Weiterhin wird zusätzlich eine Parese des Musculus gluteus medius beobachtet.
Weitere wichtige Differenzialdiagnosen sind eine proximale Schädigung des Peroneusanteils des Nervus ischiadicus (Nachweis über eine erhaltene bzw. abgeschwächte Funktion des Musculus biceps femoris), eine Polyneuropathie – insbesondere bei beidseitiger Fußheberschwäche – sowie zentrale Ursachen einer Fußheberparese, etwa nach einem ischämischen Hirninfarkt oder bei amyotropher Lateralsklerose.
Diagnostik
Grundlage der Diagnostik ist zunächst eine gründliche Anamnese und neurologische Untersuchung. Häufig zeigt sich eine Druckdolenz des Nerven im Bereich des Fibulaköpfchens, was auch als Tinel-Zeichen bezeichnet wird. Die Elektroneurographie zeigt eine Leitungsverzögerung im Bereich des Fibulaköpfchens.
Bei Verdacht auf eine strukturelle Ursache (z.B. Ganglion, Neurinom oder Tumor) sollte ergänzend eine Bildgebung mittels Nervensonographie oder MRT des Unterschenkels bzw. Kniegelenks erfolgen.[2]
Therapie
Wenn eine Grunderkrankung vorliegt (z.B. Tumor oder Baker-Zyste), sollte diese behandelt werden. Ansonsten erfolgt eine physiotherapeutische Wiederherstellung der Muskelkraft. In ausgeprägten Fällen kann die Verordnung einer Peroneusschiene sinnvoll sein. Es wird darauf geachtet, dass jegliche weitere Traumatisierung vermieden wird (z.B. durch die Vermeidung kniender Tätigkeiten).
Bei anhaltender Kompression oder fehlender Besserung unter konservativer Therapie kann eine operative Dekompression des Nerven indiziert sein. Bleibt die Fußheberparese trotz Ausschöpfung dieser Maßnahmen bestehen, kommt als rekonstruktives Verfahren ein Sehnentransfer (z.B. des Musculus tibialis posterior) zur Wiederherstellung der Fußhebung infrage.[3]
Prognose
Die Prognose ist gut. Je nach Ausmaß der Schädigung dauert es wenige Tage bis einige Monate, bis die Muskelfunktion wieder hergestellt ist.
Quellen
- ↑ Lakhiani C, Chang TN, Chuang DC, Lu JC. Trends in Compression Neuropathy: What's New?. Semin Plast Surg. 2026;40(1):39-49.
- ↑ 2,0 2,1 de Ruiter GCW, Hayford KM, Vissers TFH, Spinner RJ. Common peroneal nerve schwannomas around the knee: a surgical case series of 44 patients and systematic review of the literature. J Neurosurg. 2025;144(1):217-227.
- ↑ Sheikh U, de Jong TR, Franken JM, Hofstra WA. Acquired foot drop. Ned Tijdschr Geneeskd. 2024;168:D7865.