Zentraler Venendruck
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LoslegenSynonym: zentralvenöser Druck
Englisch: central venous pressure
Definition
Der zentrale Venendruck, kurz ZVD, bezeichnet den am zentralen Venenkatheter (ZVK) gemessenen venösen Blutdruck. Er entspricht dem Druck in der Vena cava superior bzw. im rechten Vorhof und beträgt beim Gesunden 2–12 cmH2O (1–9 mmHg).
Hintergrund
Der ZVD spiegelt den Füllungsdruck des rechten Herzens wider und wird durch das Zusammenspiel von Blutvolumen, Gefäßtonus, Herzfunktion und intrathorakalem Druck bestimmt. Physiologisch entspricht er in etwa dem rechten Vorhofdruck und damit der Vorlast des rechten Ventrikels. Über die Frank-Starling-Kurve besteht ein Zusammenhang zwischen Vorlast und Schlagvolumen.
Der ZVD wurde lange als Leitparameter für das Volumenmanagement eingesetzt. Seit den 2000er-Jahren belegen jedoch zahlreiche Studien und Metaanalysen, dass der absolute ZVD-Wert weder den Volumenstatus noch die Volumen-Ansprechbarkeit zuverlässig vorhersagt.[1]
Indikation
Die ZVD-Messung mittels ZVK wird in der Regel ergänzend zu anderen Messverfahren eingesetzt und kann indiziert sein bei:
- existenter oder drohender Hyper- bzw. Hypovolämie
- Verlaufskontrolle bei bestimmten Erkrankungen (z.B. Perikardtamponade) bzw. Therapien (Infusionstherapie)
- hämodynamischem Monitoring auf der Intensivstation oder intraoperativ
Messverfahren
Der ZVD wird über einen ZVK bestimmt, dessen Katheterspitze im Bereich der Vena cava superior oder am Übergang zum rechten Vorhof liegt. Die Messung erfolgt entweder:
- über einen elektronischen Druckwandler (kontinuierlich) – Standard auf der Intensivstation
- über ein Wasserstrahlmanometer (manuell, diskontinuierlich) – einfachere Methode, z.B. auf Normalstation
Der Nullpunkt des Drucksystems wird konventionell auf Höhe des vierten Interkostalraums in der mittleren Axillarlinie eingestellt. Fehler bei der Nullpunktkalibrierung oder eine inkorrekte Katheterspitzenposition sind häufige Messartefakte.
Der ZVD kann als Druckkurve dargestellt werden, die charakteristische a-, c- und v-Wellen sowie x- und y-Senken aufweist und Rückschlüsse auf die Vorhof- und Klappenfunktion erlaubt.
siehe auch: Venenpulskurve
Interpretation
Ein erhöhter ZVD kann auf folgende Ursachen hinweisen:
- Rechtsherzinsuffizienz
- Lungenembolie
- Perikardtamponade
- Hypervolämie
- Beatmung mit hohem Druck (erhöhter intrathorakaler Druck)
Ein erniedrigter ZVD findet sich typischerweise bei:
- Hypovolämie (z.B. Blutung, Dehydratation)
- Sepsis (Vasodilatation mit reduziertem venösem Rückstrom)
Sehr niedrige ZVD-Werte deuten auf Hypovolämie hin. Sehr hohe Werte weisen auf erhöhte rechtsventrikuläre Nachlast oder Volumenüberladung hin. Intermediäre Werte erlauben für sich alleine keine zuverlässige Aussage über den Volumenstatus.
Einflussfaktoren
Der ZVD unterliegt verschiedenen Einflussfaktoren:
- das Blutvolumen
- der Gefäßtonus
- der Druck im rechten Vorhof
- intrathorakale Druckveränderungen (z.B. im Atemzyklus oder unter Beatmung)
Einschränkungen
Der ZVD gilt als unzuverlässiger Parameter zur Vorhersage der Volumen-Ansprechbarkeit. Eine Metaanalyse aus 2024 ermittelte für den ZVD eine Area under the Curve (AUC) von 0,77 – deutlich niedriger als für dynamische Parameter wie die Pulsdruckvariation (AUC 0,87) oder die Schlagvolumenvariation (AUC 0,87).[2] Mehrere Reviews empfehlen, die traditionelle ZVD-gesteuerte Volumentherapie zugunsten dynamischer Tests (z.B. Pulsdruckvariation, Schlagvolumenvariation, Passive-Leg-Rais-Test) aufzugeben.[3] Die Surviving Sepsis Campaign hat ZVD-basierte Volumentherapieziele seit ihrer Revision 2016 aus den Empfehlungen gestrichen. Einschränkend auf die Messgenauigkeit wirken zudem:
- Beatmung mit positivem endexspiratorischem Druck (PEEP)
- Herzrhythmusstörungen
- erhöhter intraabdomineller Druck (Abdominalkompartmentsyndrom)
- inkorrekte Katheterlage oder Nullpunktsetzung
Quellen
- ↑ Lloyd-Donald P et al. Measurement and interpretation of central venous pressure: a narrative review. Anaesthesia. 2025;80(9):1093-1102.
- ↑ Chaves RCF et al. Assessment of fluid responsiveness using pulse pressure variation, stroke volume variation, plethysmographic variability index, central venous pressure, and inferior vena cava variation in patients undergoing mechanical ventilation: a systematic review and meta-analysis. Crit Care. 2024;28(1):289.
- ↑ Monnet X et al. Prediction of fluid responsiveness: an update. Ann Intensive Care. 2016;6(1):111.