Wender-Reimherr-Interview
Definition
Das Wender-Reimherr-Interview, kurz WRI, ist ein klinisches Interview zur Diagnostik der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Erwachsenenalter. Sein Schwerpunkt liegt auf der retrospektiven Erfassung der kindlichen Symptomatik.
Hintergrund
Das Interview basiert auf dem Adult-ADHS-Konzept nach Paul H. Wender. Die deutschsprachige Ausarbeitung erfolgte durch Reimherr. Das Interview wird in der Psychiatrie und Psychosomatik zur klinischen Beurteilung und Einordnung einer ADHS im Erwachsenenalter eingesetzt. Das Verfahren ist nicht formal an ICD- oder DSM-Kriterien gebunden und genügt nicht zur alleinigen Diagnosestellung. Häufig wird es in Kombination mit anderen Selbst- und Fremdbeurteilungsinstrumenten (z. B. Wender Utah Rating Scale) eingesetzt.
Aufbau
Das Wender-Reimherr-Interview ist leitfadengestützt, die Exploration erfolgt entlang der definierten psychopathologischen Symptomatik.
Erfasst werden u. a.:
- Aufmerksamkeitsstörungen
- Hyperaktivität
- Impulsivität
- Desorganisation und mangelnde Selbststrukturierung
- Affektive Labilität
- Emotionale Dysregulation
- Funktionelle Beeinträchtigungen in Schule, Beruf und sozialen Beziehungen
Zentral ist die retrospektive Beurteilung der Kindheitssymptomatik, die mit der aktuellen klinischen Symptomatik verknüpft wird, um die zeitliche Kontinuität der Störung zu prüfen.
Durchführung
Die Durchführung erfolgt im persönlichen klinischen Gespräch durch Ärzte oder Psychologen mit Erfahrung in der ADHS-Diagnostik im Erwachsenenalter. Fremdanamnestische Informationen können ergänzend einbezogen werden.
Auswertung
Die Auswertung erfolgt klinisch-deskriptiv auf Grundlage der erhobenen Symptomkonstellation, deren Schweregrad sowie der lebensgeschichtlichen Persistenz.
Literatur
- Wender, Attention-deficit hyperactivity disorder in adults, Oxford University Press, 1995
- Corbisiero et al., Reliabilität und Validität des Wender-Reimherr-Interviews (WRI). Ein Instrument zur Diagnostik der ADHS im Erwachsenenalter, Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie, 2010