Viva Voce
von lateinisch: vivus - lebendig; vox - Stimme
Synonyme: Viva-Voce-Prüfung
Definition
Die Viva Voce ist ein mündliches Prüfungsformat. Im Dialog werden neben dem theoretischen Wissen auch die Anwendung des Gelernten auf klinische Fälle und Kommunikations- und Argumentationsfähigkeiten geprüft.
Hintergrund
Die Viva Voce zählt zu den ältesten Prüfungsformen der medizinischen Ausbildung. Trotz hoher Augenscheinvalidität gilt das klassische Prüfungsformat als wenig verlässlich. Heute (2026) wird das Verfahren primär beim Verteidigen von Dissertationen am Ende von Doktorandenprogrammen verwendet.
Um die Interrater-Reliabilität zu erhöhen und Prüfungsergebnisse vergleichbarer zu machen, wurde die klassische Viva Voce weiterentwickelt. Hierbei werden standardisierte Fragekarten (z. B. auf Grundlage der Taxonomiestufen nach BLOOM) verwendet, transparente Bewertungskriterien definiert und standardisierte Prüfungsbedingungen geschaffen.
Moderne Varianten werden als strukturierte mündliche Prüfung (SMP) bzw. Structured Oral Examination (SOE) bezeichnet und sind Bestandteil kompetenzbasierter Curricula wie dem Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin.
Ablauf
In einer Viva Voce werden den Prüflingen in einem Zeitfenster von meist zwischen 10 und 30 Minuten von einem oder mehreren Prüfern Fragen zu klinischen Themenbereichen, Präparaten oder klinischen Fällen gestellt.
Inhalte
In einer Viva Voce werden verschiedene ärztliche Kompetenzen geprüft:
- Wissen zu Anatomie und Physiologie und Biochemie
- Klinische Anamneseerhebung und Differentialdiagnostik
- Planung diagnostischer und therapeutischer Interventionen
- Aufklärung und ärztliche Kommunikation
- Diskussion wissenschaftlicher Arbeiten (z. B. bei Promotion)
- Ethische Reflexion
- Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Bewertung
Die Bewertung erfolgt anhand verschiedener strukturierter Instrumente:
- Checklisten
- Bewertungsschemata
- Antwortschlüssel
Um die Interrater-Variabilität zu minimieren, ist die Schulung der Prüfer notwendig.