Vitrektomie (Pferd)
von lat. vitreus - gläsern, griech. ek - heraus und tome - schneiden
Englisch: vitrectomy
Definition
Vitrektomie ist der Teilschritt einer Augenoperation, hier werden gezielt Teile des Glaskörpers chirurgisch entfernt.
Indikationen
Die Vitrektomie beim Pferd wird vor allem bei rezidivierender Uveitis durchgeführt. Indiziert ist sie vor allem dann, wenn sich im Glaskörper Entzündungsprodukte und Bakterien, v.a. Leptospiren, befinden und dadurch wiederkehrende Entzündungsschübe ausgelöst werden.
Voraussetzungen
Voraussetzung für einen sinnvollen Eingriff ist, dass Linse und Netzhaut noch nicht schwer geschädigt sind und das Auge funktionell möglichst erhalten werden kann. Sollte die Linse schon stärker in Mitleidenschaft gezogen worden sein – etwa durch Verklebungen von Iris und Linse oder durch eine Netzhautablösung – kann es zu Linseneintrübungen kommen. Bei einer Linseneintrübung kann das Pferd auch nach der OP nur noch Hell und Dunkel unterscheiden. Eine flächige Netzhautablösung bedeutet die irreversible Erblindung des Pferdes. Bei stärker geschädigten Augen kann die Sehfähigkeit daher nicht immer erhalten werden, es können aber weitere schmerzhafte Augenentzündungen verhindert werden.
Operation
Eine Glaskörperoperation kann beim Pferd ausschließlich in Vollnarkose durchgeführt werden. Sind beide Augen betroffen, sollten zwischen den Eingriffen etwa fünf Tage liegen. Eine gleichzeitige Operation beider Augen ist nicht möglich, da sonst ein Auge unter dem Druck des schweren Pferdekopfes liegen würde.
Bei dem Eingriff wird der Augapfel nach unten rotiert, so dass der Zugang zum Glaskörperraum über die weiße Augenhaut im Bereich der Pars plana möglich wird. Nach der Eröffnung der Bindehaut über die Lederhaut werden mit einem Laser zwei Öffnungen in die Sklera geschossen. Durch die erste Öffnung wird eine Infusionsleitung in das Auge gelegt, damit der Druck im Auge während der OP nicht abfällt und konstant bleibt. Durch die zweite Öffnung wird das Operationsintrument (Vitrektom) in das Auge eingeführt. Das Vitrektom zerschneidet den Glaskörper mitsamt den Entzündungsprodukten und den Bakterien. In einem weiteren Schritt saugt es die Masse ab. Nach der OP werden die beiden Öffnungen in der Lederhaut und Bindehaut mit einem dünnen resorbierbaren Faden verschlossen. Normalerweise ist das operierte Auge am folgenden Tag schmerzfrei und offen.
Nachsorge
Nach der OP wird die infundierte Flüssigkeit innerhalb von Stunden vom Auge durch Kammerwasser ersetzt. Das Glaskörpergerüst selbst kann sich nicht erneut bilden, da es nur in der Embryonalperiode angelegt wird. Mit dem Glaskörpergerüst entfernt man das Erregerreservoir. Nach der Operation besteht im mit Kammerwasser gefüllten Glaskörperraum eine bessere Flüssigkeitszirkulation, d.h. die Leptospiren können sich dort nicht erneut ansiedeln. Für die Optik und die Sehfähigkeit spielt es keine größere Rolle, ob sich Glaskörpermaterial oder Kammerwasser im Glaskörperraum befindet.
Nach der Entlassung des Pferdes ca. nach dem 4.-5. Tag nach der OP sollten die Pferde 5 Tage nur kontrolliert im Schritt geführt werden. Danach kann das Pferd wieder im Freilauf bewegt werden und aufbauendes Training kann begonnen werden. Die Pferde sollten ebenfalls eine Augensalbe 2x täglich erhalten.
Prognose
Je geringer die Vorschädigung des Auges ist, desto günstiger ist die Prognose für den Erhalt des Sehvermögens. Ein Rezidiv kann nicht vollständig ausgeschlossen werden, jedoch sind mehr als 90 % der operierten Pferde nach dem Eingriff dauerhaft beschwerdefrei.
Komplikationen
Zu den möglichen Komplikationen zählen Hornhautschäden, insbesondere bei Pferden, die über längere Zeit mit kortisonhaltigen Augensalben behandelt wurden und zu vermehrtem Augenreiben neigen. Voraussetzung für die Durchführung der Operation ist daher eine intakte Hornhaut.
Ein erhöhtes Risiko für Virusinfektionen besteht vor allem bei nicht geimpften Pferden, beispielsweise im Zusammenhang mit der Pferdeinfluenza.
Darüber hinaus ist das allgemeine Narkoserisiko zu berücksichtigen. Mögliche Komplikationen sind Verletzungen beim Ablegen oder Aufstehen sowie intraoperative Zwischenfälle wie Atem- oder Herzstillstand.
Weitere mögliche Komplikationen sind Colitis, Pneumonie und Pleuritis.
Kosten
Für eine Vitrektomie beim Pferd bezahlt man etwa 1.200 bis 2.500 Euro. Hinzu kommen die Kosten für die Nachsorge.[1]
Quelle
- ↑ Uelzener Magazin; Augenoperation beim Pferd: Wann eine Vitrektomie sinnvoll ist; Version vom 07.07.2025