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Tuberkulose (Rind)

1. Definition

Bei der Tuberkulose des Rindes handelt es sich um eine durch Mycobakterium bovis (M. bovis), seltener durch M. caprae oder M. tuberculosis hervorgerufene Infektionskrankheit der Rinder. Sie zählt zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen. Die Tuberkulose des Rindes ist eine Zoonose. Der Mensch ist für eine Infektion empfänglich, in Deutschland sind Infektionen des Menschen durch M. bovis aber selten - sie machen etwa ein Prozent der Tuberkulosefälle aus.

2. Erreger

Der Erreger Mycobakterium bovis stellt einen Stamm des Mycobacterium tuberculosis Komplexes und keine eigene Gattung innerhalb der Familie der Mycobacteriaceae dar.

3. Epizootiologie

Eine Übertragung des Erregers vom Rind auf den Menschen geschieht hauptsächlich durch den Verzehr von nicht pasteurisierter Milch. Auch eine umgekehrte Übertragung vom Mensch auf das Rind (Anthropozoonose) ist möglich. Die Ansteckung kann oral durch Aufnahme von kontaminiertem Wasser/Futter, sowie durch Tröpfcheninfektion erfolgen.

4. Pathogenese

Charakteristischerweise verläuft die Krankheit in 4 Stadien:

  1. Entstehung des Primärkomplexes, einer Entzündung der Eintrittspforte und des dazugehörigen Lymphknotens. Die Krankheit kann in diesem Stadium bei guter Immunlage enden. Sind keine Veränderungen an der Eintrittspforte mehr nachweisbar, wird von einem unvollständigen Primärkomplex gesprochen.
  2. Bei schlechter Immunlage kommt es zur Bakteriämie und Streuung des Erregers in innere Organe (Frühgeneralisation). Es entstehen die typischen Tuberkuloseknoten, die entweder einzeln, oder massiv in Form zahlreicher kleiner Knötchen (Miliartuberkulose) auftreten können. Auch in diesem Stadium ist eine Abheilung möglich.
  3. Im dritten Stadium kann es durch kanalikuläre Ausbreitung des Erregers zur isolierten Organtuberkulose (z.B. Lungentuberkulose) kommen.
  4. Bei sehr schlechter Immunlage kann es zur Spätgeneralisation (Niederbruchsphase) kommen, die als generalisierte Aussaat (lympho - hämatogen) verläuft und häufig tödlich endet.

5. Klinik

Charakteristischerweise verläuft die Erkrankung beim Rind über längere Zeit asymptomatisch. Klinische Symptome sind meist unspezifisch und können respiratorische Symptome wie Husten, intermittierendes Fieber, Abmagerung, allgemeine Schwäche und Leistungsrückgang umfassen. Sofern auftretend, kann es in der Niederbruchsphase zu stärkeren Symptomen und tödlichem Ausgang kommen.

6. Gesetzlicher Hintergrund

Es handelt sich bei der Tuberkulose des Rindes um eine anzeigepflichtige Tierseuche. Die Bekämpfung ist durch die Verordnung zum Schutz gegen die Tuberkulose des Rindes (Tuberkulose-Verordnung) geregelt. Behandlungsversuche und Impfungen sind verboten. Deutschland gilt seit 1997 tuberkulosefrei (97/76/EG). Auf Basis dieses Status wurden die davor flächendeckend koordiniert durchgeführten Tuberkulintest in deutschen Rinderbeständen eingestellt.

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09.09.2018, 10:06
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