Tragestuhl
Synonyme: Treppenstuhl, Patientenstuhl
Definition
Ein Tragestuhl ist ein Hilfsmittel im Rettungsdienst und qualifizierten Krankentransport. Er dient dem Transport wacher, kooperativer und sitzfähiger Patienten aus beengten räumlichen Verhältnissen, insbesondere über Treppen.
Hintergrund
Der Abtransport aus Wohnungen ohne Aufzug, engen Treppenhäusern oder schmalen Fluren ist eine häufige logistische Herausforderung im Rettungsdienst. Viele Patienten sind ansprechbar und kreislaufstabil, aber nicht gehfähig. Mögliche Ursachen sind Dyspnoe, Schwäche, Schmerzen oder neurologische Defizite.
Der Tragestuhl ermöglicht in diesen Situationen einen sitzenden Treppentransport. Im Vergleich zur Fahrtrage ist der Einsatz bei begrenztem Raumangebot möglich. Im qualifizierten Krankentransport wird der Tragestuhl unter anderem für den Rücktransport nach stationärer oder ambulanter Behandlung verwendet.
Elektrischer Raupenstuhl
Der elektrische Raupenstuhl ist eine Sonderform des Tragestuhls mit integriertem motorisiertem Raupensystem für den Treppentransport. Das System ermöglicht ein kontrolliertes Ab- und Aufwärtsgleiten über Treppenstufen.
Bei der Neubeschaffung von Rettungswagen und Krankentransportwagen werden in den meisten Rettungsdienstbereichen elektrische Tragestühle berücksichtigt, insbesondere zur Reduktion körperlicher Belastungen des Rettungsdienstfachpersonals.
Vorteile
- Gute Fixierung durch integrierte Gurtsysteme
- Reduzierte körperliche Belastung im Vergleich zum Tragetuch
- Platzsparend klappbar und leicht im Rettungsmittel zu verstauen
- Schneller Einsatz ohne aufwändige Vorbereitung
Nachteile
- Nicht geeignet für bewusstlose oder nicht sitzfähige Patienten
- Keine Immobilisation der Wirbelsäule möglich
- Eingeschränkte Lagerungsoptionen während des Transports
- Bei hohem Patientengewicht erhöhte Belastung für Einsatzkräfte
- Abhängigkeit von Kooperation und Stabilität des Patienten
Literatur
- Flake et al., Arbeitstechniken im Rettungsdienst, Elsevier-Verlag, 2023