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Systematische Desensibilisierung

Englisch: systematic desensitization

1 Definition

Die systematische Desensibilisierung ist eine sehr häufig angewandte Methode der Verhaltenstherapie und wird vor allem zur Behandlung von Phobien eingesetzt. Sie hat methodisch die klassische Konditionierung als Basis. Die systematische Desensibilisierung geht davon aus, dass Angst und körperliche Entspannung nicht gleichzeitig bestehen können.

2 Abfolge der Therapie

Systematische Desensibilsierung besteht aus einem Mehr-Phasen-Prozess.

2.1 Aufstellung einer Angsthierarchie

Zunächst erstellt der Patient eine Angsthierarchie. Bei einem Patienten mit Angst vor Hunden löst z. B. ein kleinerer Hund weniger Angst aus als ein großer.

2.2 Entspannungstraining

In der Folgezeit erlernt der Patient verschiedene Entspannungstechniken wie z.B. das autogene Training, die progressive Muskelentspannung nach Jacobsen oder auch die Meditation.

2.3 Vorstellung des Angstobjekts

Der Patient wird schließlich vom Therapeuten gebeten sich zu entspannen. Danach soll er sich das Objekt vorstellen, dass in ihm die geringste Angst auslöst (z.B. ein kleiner Hund). Spürt er Angst in sich aufkommen, wird das Training abgebrochen und zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt. Diese Handlungskombination wird so lange durchgeführt, bis der Patient angstfrei an das Objekt denken kann.

2.4 Steigerung

Im entspannten Zustand stellt sich der Patient zunehmend Dinge vor, die in seiner Angsthierarchie weiter oben stehen. Dies wird solange fortgeführt, bis das höchste Objekt erreicht ist.

2.5 Konfrontation mit der Realität

In der letzten Phase wird der Patient in der Realität mit dem Angst auslösenden Objekt konfrontiert.

3 Beispiel

Bei einem Patienten mit Flugangst würde etwa wie folgt verfahren: Zunächst werden mit dem Klienten Entspannungsübungen wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung geübt oder er soll sich so realistisch wie möglich eine entspannende Situation vorstellen (z.B. dass er am Strand bei Meeresrauschen in der Sonne liegt).

Dann wird mit dem Klienten eine Liste mit angstauslösenden Reizen erarbeitet, die nach dem Grad subjektiven Empfinden des Klienten bei diesem Angst verschiedenen Grades auslösen. Die Auslöser werden nach dem Grad der Angst, die sie erzeugen geordnet.

Anschließend wird sich dem Angstobjekt langsam genähert. Der Klient soll sich dann beispielsweise folgende Situationen vorstellen:

  • Er sieht am Himmel, weit oben, ein Flugzeug fliegen.
  • Er beobachtet am Flughafen Flugzeuge, die starten und landen aus der Ferne.
  • Er schaut sich ein Flugzeug aus der Nähe von aussen an.
  • Er besichtigt ein leeres Flugzeug von innen.
  • Er setzt sich einmal probeweise in einen Sitz.
  • Er setzt sich in einen Sitz und schnallt sich an.
  • Er sitzt angeschnallt im Sitz und das Flugzeug fliegt.

Wenn er diese Situationen angstfrei bewältigt hat, soll er sich folgendes vorstellen: Er möchte in den Urlaub fliegen, an einen tollen Strand, er betritt ein Flugzeug mit Menschen, setzt sich in einen Sitz, schnallt sich an, das Flugzeug startet, fliegt eine Weile und landet wieder. Wenn er diese Situation auch angstfrei überstanden hat, könnte man die vorgestellten Situationen einmal in der Realität ausführen.

Wenn die Therapie von Erfolg gekrönt ist, wird sich der Klient in Zukunft beim fliegen entspannt fühlen und keine Angst mehr empfinden. Der Stimulus Fliegen ist dann an Entspannung, die durch angenehme Phantasie hervorgerufen wird, geknüpft.

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