Perfusion Toulousaine
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LoslegenEnglisch: Toulouse perfusion, Guilhem's method
Definition
Die Perfusion Toulousaine ist ein historisches geburtshilfliches Verfahren zur medikamentösen Geburtseinleitung, bei dem Spasmolytika und Uterotonika intravenös kombiniert verabreicht werden, um eine rasche Zervixdilatation und Wehenaugmentation zu erzielen.
Hintergrund
Die Methode wurde von P. Guilhem und Mitarbeitern an der Geburtsklinik in Toulouse entwickelt. Sie zählt zu den stumpfen Dilatationsverfahren und fand ab den 1960er Jahren in Frankreich sowie – mit zeitlicher Verzögerung – in deutschen Geburtskliniken Verbreitung. Der Begriff „Toulousaine" verweist auf den Entstehungsort Toulouse.
Indikationen
Die Perfusion Toulousaine wurde klassischerweise bei folgenden Indikationen angewandt:
- Intrauterine Gefährdung des Kindes (ca. 45 % der Fälle)
- Risikogeburt (ca. 20 % der Fälle)
- Spastische Dystokie (ca. 35 % der Fälle)[1]
Voraussetzungen für die Anwendung waren:
- Muttermundsweite von mindestens 7 cm
- Zervix unter Wehendruck durch Retraktionskräfte des Corpus uteri gespannt und dem vorangehenden Kopf anliegend
- Kopfstand möglichst in oder nahe der Beckenmitte
Technik
Das Verfahren kombiniert intravenöse Spasmolytika mit Substanzen zur Wehenaugmentation. Die Spasmolytika senken den Zervixwiderstand durch Relaxation der glatten Muskulatur, ohne die Uteruskontraktion im Corpus zu hemmen. Gleichzeitig wird die Wehentätigkeit durch Oxytocin verstärkt, sodass eine kombinierte Wirkung aus Zervixdilatation und Wehenaugmentation erzielt wird.
Die Bezeichnung als „stumpfes Dilatationsverfahren" grenzt es von mechanischen (z.B. Ballonkatheter-Dilatation) und scharfen operativen Verfahren ab.
In vielen deutschen Kliniken wurde die medikamentöse Schnellentbindung mittels Perfusion Toulousaine mit einer Vakuumextraktion kombiniert, um die Extraktions-Entbindungs-Zeit (E-E-Zeit) nach Indikationsstellung zu verkürzen, wenn fetale Interessen im Vordergrund standen.[1]
Ergebnisse
In einer deutschen Erfahrungsserie mit 493 Perfusionen ergaben sich folgende Apgar-Werte:[1]
| Apgar-Wert | Anteil |
|---|---|
| 1–3 | 6,9 % |
| 4–6 | 24,2 % |
| 7–10 | 68,9 % |
Die perinatale Gesamtmortalität lag in dieser Serie bei 1,82 % (9 von 493 Kindern). Mikroblutuntersuchungen während der Geburt zeigten Werte, die mit denen bei spontaner Geburt vergleichbar waren; eine verstärkte Azidosetendenz ließ sich nicht nachweisen.[1].
Bedeutung
Die Perfusion Toulousaine ist in der klinischen Geburtshilfe weitgehend durch modernere Verfahren ersetzt worden. Dazu zählen differenzierte Wehenaugmentation mit Oxytocin, die Periduralanästhesie zur Behandlung der spastischen Dystokie sowie großzügigere Indikationsstellung zur primären oder sekundären Sectio caesarea.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Martius G, Menneking U. Erfahrungen mit der Perfusion Toulousaine. Arch Gynakol. 1971;211(1):290-1.