Okulärer Perfusionsdruck
Englisch: ocular perfusion pressure, OPP
Definition
Der okuläre Perfusionsdruck, kurz OPD, ist die treibende Druckdifferenz für den Blutfluss in den intraokularen Gefäßen. Er ergibt sich aus der Differenz zwischen dem arteriellen Perfusionsdruck auf Höhe des Auges und dem intraokularen Druck (IOD). Der arterielle Perfusionsdruck auf Höhe des Auges wird in der klinischen Praxis aus dem systemischen Blutdruck approximiert.
Physiologie
Die okuläre Durchblutung betrifft Retina, Aderhaut und Sehnervenkopf. Die Gefäße der Retina und des Sehnervenkopfes unterliegen einer autoregulatorischen Anpassung. Myogene und metabolische Mechanismen stabilisieren den Blutfluss über einen bestimmten Druckbereich. Bei Überschreiten der Autoregulationsgrenzen kommt es zu Minder- oder Hyperperfusion.
Formel
Eine gebräuchliche Näherungsformel verwendet den mittleren arteriellen Druck (MAP) zur Bestimmung:
Für den diastolischen okulären Perfusionsdruck wird der diastolische Blutdruck (dBP) eingesetzt:
Referenzwerte
Der okuläre Perfusionsdruck liegt unter Normbedingungen meist über 50 mmHg. Ein diastolischer okulärer Perfusionsdruck < 50–55 mmHg ist mit einem erhöhten Glaukomrisiko assoziiert.
Klinik
Der okuläre Perfusionsdruck ist ein hämodynamischer Parameter in der Pathophysiologie glaukomatöser Optikusneuropathien. Eine chronisch verminderte Perfusion des Sehnervenkopfes kann zu einer strukturellen Schädigung retinaler Ganglienzellen und zu einem progredienten Gesichtsfeldverlust führen.
Systemische Hypotonie, insbesondere nächtliche Blutdruckabfälle, senken den okulären Perfusionsdruck. Ein gleichzeitig erhöhter intraokularer Druck reduziert den Perfusionsgradienten zusätzlich. Diese Kombination begünstigt eine ischämische Schädigung des Sehnervs.