Natural Orifice Transluminal Endoscopic Surgery
Synonym: transluminale endoskopische Chirurgie durch Körperöffnungen
Definition
Als Natural Orifice Transluminal Endoscopic Surgery, kurz NOTES, bezeichnet man Operationstechniken, bei denen natürliche Körperöffnungen als Zugangswege verwendet werden.
Hintergrund
Die Eröffnung der Körperhöhle bzw. des Operationssitus erfolgt nicht wie üblich über die Haut (transdermal), sondern durch das Lumen eines inneren Organs (transluminal). Die NOTES wird als Weiterentwicklung der minimal invasiven Chirurgie verstanden.
Im Gegensatz zu vielen Neuerungen und Techniken kommt die NOTES-Technik nicht aus den USA. Die Pioniere kommen aus Indien, Europa, Südamerika und Asien.
Im chirurgischen Routinebetrieb in Deutschland spielen NOTES-Operationen derzeit (2026) nur eine untergeordnete Rolle. Die Eingriffe sind nur in spezialisierten Zentren verfügbar.
Zugänge
Als Zugang kann theoretisch jede natürliche Körperöffnung gewählt werden. NOTES-Operationen erfolgen demnach:
Operationen
Einen Großteil der dokumentierten Eingriffe macht die transvaginale Cholezystektomie aus, die jedoch als Hybridverfahren und nicht als reine NOTES-Operation verstanden wird, da zwar die Instrumente transvaginal, die Kameraoptik jedoch durch einen Schnitt in der Umbillicalgegend eingebracht werden.
Weitere NOTES-Operationen sind u.a.:
- Transgastrale Cholezystektomie
- Transgastrale Appendektomie
- Transvaginale Hysterektomie
- Transvaginale Nephrektomie
Der transorale Zugang zu Schilddrüsen und Nebenschilddrüsen ist derzeit (2026) vor allem in Asien populär.
Vorteile
Als mögliche Vorteile werden folgende Punkte beschrieben:
- weniger postoperative Schmerzen: durch die ausbleibende Durchtrennung von Haut und Muskelgewebe entstehen postoperativ weniger Schmerzen
- bessere kosmetische Ergebnisse: da durch natürliche Körperöffnungen und Lumina hindurch operiert wird, entstehen keinerlei sichtbaren Narben
- weniger postoperative Komplikationen
- kürzere Verweildauer im Krankenhaus: aus einer geringeren Anzahl an postoperativen, behandlungsbedürftigen Komplikationen ergibt sich insgesamt eine kürzere Verweildauer im Krankenhaus, die zur Ökonomisierung der Arbeitsabläufe beitragen kann.
Nachteile
Ein von Kritikern oft angeführter Punkt ist die Schwierigkeit, bei der NOTES-Methode ein hohes Maß an Sterilität während der Operation zu gewährleisten. Die Herausforderung ist, die chirurgischen Instrumente durch ein mit Keimen kontaminiertes Lumen wie das Kolon oder den Ösophagus an den Ort der Operation zu bringen. Langjährige Erfahrungen zeigen jedoch, dass das Infektionsrisiko geringer ist als vermutet. Die postoperative Komplikationsrate wird in Metaanalysen mit 3,7% angegeben.[1]
Literatur
- Li et al. Transvaginal natural orifice transluminal endoscopic surgery (vNOTES) in gynecologic surgeries: A systematic review , Asian J Surg, 2020
- Witzel K, von Rahden BHA, Kaminski C, Stein HJ: The transoral access in endoscopic thyroid resection, Surg Endosc. 2008 Aug; 22(8):1871-5
- Witzel K, Messenbaeck F, Weitzendorfer M, Benhidjeb T: Transoral thyroidectomy: limitations, patients’ safety, and own experiences, Updates in Surgery (2017), 69(2), 193-198, doi:10.1007/s13304-017-0457-5
Quellen
- ↑ Lehmann KS, Zornig C, Arlt G, Butters M, Bulian DR, Manger R, Burghardt J, Runkel N, Pürschel A, Köninger J, Buhr HJ.: Natural orifice transluminal endoscopic surgery in Germany: Data from the German NOTES registry. Chirurg. 2015 Jun;86(6):577-86. German. doi: 10.1007/s00104-014-2808-9. PMID: 24994591.