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Minimale Resterkrankung

Synonyme: MRD
Englisch: minimal residual disease

1 Definition

Der Begriff Minimale Resterkrankung, kurz MRD, wird vor allem in der Hämatoonkologie verwendet. Er bezeichnet eine geringe Anzahl verbleibender Tumorzellen nach einer Behandlung, die mittels Durchflusszytometrie (NGF) oder Sequenzierung (NGS) nachgewiesen werden kann.[1] Man spricht von MRD-Negativität, wenn mit diesen sensitiven Methoden keine Tumorzellen mehr im Blut oder Knochenmark detektiert werden können.

2 Hintergrund

Selbst wenn Blutkrebspatienten in Folge einer Behandlung eine komplette Remission erreichen, bleibt häufig das Risiko für ein Rezidiv bestehen. Dabei können zurückbleibende Tumorzellen, die unter der Nachweisgrenze von Standardmethoden zur Remissionsbestimmung liegen, ein möglicher Auslöser für den Rückfall sein.[2]

Dank verbesserter Methoden wie Durchflusszytometrie (Next Generation Flowcytometry) oder Sequenzierung (Next Generation Sequencing), lassen sich verbleibende Tumorzellen inzwischen mit höherer Sensitivität nachweisen. Anhand der MRD kann dementsprechend die Tiefe der Remission gemessen werden. Befindet sich maximal eine Tumorzelle unter 100.000 bis 1.000.000 Leukozyten, so spricht man von MRD-Negativität.[1] Das entspricht einer besonders tiefen Remission.

Die Schwellenwerte durch welche MRD-Negativität definiert wird, unterscheiden sich je nach hämatologischer Erkrankung, aber auch je nach Bestimmungsmethode. Deshalb setzen sich Institutionen wie beispielsweise das European Myeloma Network oder das European LeukemiaNet für die Erstellung von Guidelines und Konsensusdokumenten für den klinischen Alltag ein.[3][4]

3 MRD als Studienendpunkt

Neue Therapieoptionen können das Überleben onkologischer Patienten in vielen Fällen soweit verlängern, dass das Gesamtüberleben im zeitlichen Rahmen einer klinischen Studie als primärer Endpunkt nur noch schwer erfasst werden kann. Dadurch ergibt sich ein Bedarf an sogenannten Surrogatendpunkten.

Der MRD-Status kommt bereits in vielen klinischen Studien als Endpunkt zum Einsatz. Es konnte gezeigt werden, dass das Erreichen einer MRD-Negativität mit einem verlängerten progressionsfreien Überleben (PFS) und einem verlängerten Gesamtüberleben (OS) einhergeht.[2] Die MRD-Negativität hat dementsprechend große prognostische Aussagekraft.

Aktuell (Stand 2019) diskutiert die Europäische Arzneimittelagentur deshalb über die MRD als Surrogatendpunkt. Bei klinischen Studien zum multiplen Myelom könnten so auf Grundlage der MRD-Daten frühzeitige Zulassungen erfolgen, sofern PFS- und OS-Daten nachgereicht werden.[5]

4 Quellen

  1. 1,0 1,1 [1] Moreau P, Zamangi E. MRD in multiple myeloma: more questions than answers? Blood Cancer J; 2017
  2. 2,0 2,1 [2] Munshi et al. Association of Minimal Residual Disease With Superior Survival Outcomes in Patients With Multiple Myeloma. A Meta-analysis. JAMA Oncol; 2017
  3. [3] Schuurhius GJ et al. Minimal/measurable residual disease in AML: consensus document from ELN MRD Working Party. Blood; 2018
  4. [4] Caers J et al. European Myeloma Network recommendations on tools for the diagnosis and monitoring of multiple myeloma: what to use and when. Haematologica; 2018
  5. [5] European Medicines Agency (EMA). Guideline on the use of minimal residual disease as a clinical endpoint in Multiple myeloma studies. July 2018; EMA/CHMP/459559/2018

Fachgebiete: Onkologie

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