Mikrostrabismus
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LoslegenSynonym: Mikrotropie
Definition
Als Mikrostrabismus bezeichnet man ein einseitiges Schielen mit einem Winkel < 5° und anomaler retinaler Korrespondenz. Da der Schielwinkel sehr klein ist, wird der Mikrostrabismus häufig erst spät diagnostiziert, typischerweise bei Schuleintritt. Ein Mikrostrabismus ist eine Sonderform des Strabismus.
Hintergrund
Die Bezeichnung "Mikrostrabismus" hat sich etabliert, da bei einem kleinen Innenschielwinkel von bis zu etwa 5° ein anomales, jedoch funktionell weiterhin nutzbares binokulares Sehen bestehen kann. Das binokulare Sehen und damit die räumliche Wahrnehmung sind zwar oft teilweise erhalten, aufgrund des lange unbehandelten Verlaufs hat sich jedoch meist eine schwer behandelbare Amblyopie entwickelt.
Bei dem Mikrostrabismus besteht häufig eine anomale Netzhautkorrespondenz: Die periphere Netzhaut kann die Seheindrücke beider Augen aber noch teilweise zusammenführen (periphere Fusion). Dadurch entsteht kein normales, fein abgestuftes Stereosehen, sondern eher ein grobes binokulares Sehen, das die kleine Schielabweichung teilweise stabilisiert. Das Gehirn ordnet die Seheindrücke beider Augen so um, dass trotz kleiner Fehlstellung kein Doppelbild entsteht. Deshalb sollte der Abdecktest sorgfältig und mit vollständiger Unterbrechung der Fusion durchgeführt werden, da sonst die Abweichung unterschätzt werden kann.
Epidemiologie
Der Mikrostrabismus macht etwa 10–20 % aller Strabismusformen im Kindesalter aus.
Klassifikation
Der Mikrostrabismus kann je nach Ursache in primär und sekundär unterteilt werden. Der primäre Mikrostrabismus entsteht idiopathisch und ohne einen vorherigen größeren Schielwinkel in der Patientenanamnese. Der sekundäre Mikrostrabismus kann nach einer vorherigen Strabismustherapie bestehen bleiben oder durch eine Läsion der Fovea entstehen.
Klinik
Typisch ist eine Anisometropie, also ein deutlicher Unterschied der Brechkraft beider Augen, häufig von mehr als 1,5 Dioptrien. Nicht selten ist diese einseitige Sehschwäche der erste klinische Hinweis auf eine Mikrotropie.
Das räumliche Sehen (Stereopsis) ist meist nur geringgradig erhalten und mit Standardtests nicht immer nachweisbar. Beschwerden bestehen in der Regel kaum oder gar nicht; kosmetisch fällt die Mikrotropie meist nicht auf.
Diagnose
Zu den diagnostischen Maßnahmen gehören die Prüfung des Hornhautreflexes (Lichtreflex), der 4-Prismen-Basis-außen-Test und der einseitige Abdecktest. Beim alternierenden Abdecktest kann zusätzlich eine scheinbare Heterophorie auftreten, die sogenannte Pseudoheterophorie. Dabei wirkt es, als liege eine latente Stellungsabweichung vor; tatsächlich überlagert sie den Mikrostrabismus und kann diagnostisch irreführend sein.
Bei der Visuskopie bzw. der direkten Ophthalmoskopie mit Fixiermarke erscheint die charakteristische exzentrische Fixation und ein kleines zentrales Suppressionsareal im Bereich der Fovea des betroffenen Auges (4-Prismen-Basis-außen-Test, Bagolini-Gläser oder Worth-4-Licht-Test). Das Auge fixiert mit einem parafovealen Netzhautareal.
Mit Hilfe einer Tangententafel wird anschließend der Schielwinkel vermessen.
Bei dem Mikrostrabismus liegt eine harmonische anomale Netzhautkorrespondenz (HARC) vor. Daher stimmt in den meisten Fällen der Netzhautbereich, auf den das Bild im gewohnten Sehfeld des Patienten fällt, sowohl mit dem Bereich überein, der für die monokulare Fixation genutzt wird, als auch mit dem anomal korrespondierenden Bereich. Dies wird als "Mikrotropie mit Identität" bezeichnet. Die meisten Mikrotropien gehören zu diesem Typ. In diesen Fällen spricht man von einem vollständig adaptierten Strabismus.
Therapie
Es sollte möglichst frühzeitig eine Therapie begonnen werden. Das Abdecken des gesunden Auges kann als Maßnahme zum Training des schwächeren Auges dienen (Okklusionstherapie). Hierbei ist darauf zu achten, dass eine dauerhafte Abdeckung auch zu einer Amblyopie des abgedeckten Auges führen kann.
Bei ausgewählten Patienten kann eine operative Korrektur der Augenmuskelstellung erfolgen.
Komplikationen
Da die Diagnose des Mikrostrabismus häufig erst spät erfolgt, besteht eine hohe Amblyopiegefahr. Des Weiteren kann es zu einer Störung des Binokularsehens kommen.
Quellen
- Entokey.com, Microtropia, abgerufen am 29.05.2026
- Schielen.de, Mikrostrabismus, abgerufen am 29.05.2026