Materia peccans
von lateinisch: materia – Stoff, Substanz; peccare – verfehlen, sündigen
Definition
Hintergrund
Der Begriff stammt aus der hippokratisch-galenischen Humoralpathologie, die Krankheit als Folge einer fehlerhaften Zusammensetzung oder Verunreinigung der Körpersäfte verstand. Die Materia peccans galt als schädlicher Bestandteil dieser Säfte. Sie war kein konkret fassbarer Stoff, sondern ein theoretisches Konzept zur Erklärung krankhafter Prozesse. Erst mit der Entwicklung der modernen Pathologie und Mikrobiologie verlor die Vorstellung einer Materia peccans ihre Bedeutung.
Klinische Relevanz
In humoralpathologisch geprägten Medizinsystemen zielten viele Therapien darauf ab, als krankheitsverursachend angesehene Stoffe aus dem Körper zu entfernen. Hierzu wurden sogenannte "ausleitende" Maßnahmen wie Aderlass, Laxantien, Emetika und Schwitzkuren angewendet. Diese Verfahren sollten die Materia peccans beseitigen und so zur Wiederherstellung der Gesundheit beitragen. In der Alternativmedizin wird auch heute (2026) noch teilweise auf diese veralteten Modellvorstellungen zurückgegriffen.