Maastricht-Klassifikation
Definition
Die Maastricht-Klassifikation ist ein etabliertes Schema zur Einteilung von Organspendern im Rahmen der Donation after Circulatory Death (DCD). Sie wurde erstmals 1995 auf einem internationalen Workshop in Maastricht entwickelt und dient der Standardisierung klinischer Situationen, in denen der Tod infolge eines irreversiblen Kreislaufstillstands festgestellt wird.
Hintergrund
Die Klassifikation differenziert die Umstände des Herz-Kreislauf-Stillstands sowie dessen zeitlichen Verlauf. Sie ist insbesondere für die Einschätzung der warmen Ischämiezeit und des transplantationsmedizinischen Risikoprofils von Bedeutung.
Die klassische (später erweiterte) Maastricht-Klassifikation umfasst fünf Kategorien:
- Kategorie I: Unerwarteter Kreislaufstillstand außerhalb des Krankenhauses (dead on arrival)
- Kategorie II: Unerwarteter Kreislaufstillstand im Krankenhaus mit erfolgloser Reanimation
- Kategorie III: Erwarteter Kreislaufstillstand nach geplantem Therapieabbruch (withdrawal of life-sustaining therapy)
- Kategorie IV: Kreislaufstillstand bei bereits festgestelltem Hirntod
- Kategorie V: Organspende nach Euthanasie (in Ländern mit entsprechender gesetzlicher Regelung)
Die Kategorien I und II werden vor allem im Kontext der unkontrollierten DCD verwendet, die jedoch aufgrund der zeitlichen Anforderungen zur Organentnahme nur in direkter Umgebung zu Transplant-Zentren bzw. Krankenhäusern, denen ein Entnahmeteam unmittelbar zur Verfügung steht, klinische Anwendung finden.
Klinisch kommt vor allem der kontrollierten DCD (Kategorie III) große Bedeutung zu, da hier der Ablauf planbar ist und die Organqualität besser beeinflusst werden kann. Die Maastricht-Klassifikation ist heute ein zentrales Instrument zur Risikostratifizierung, Studienvergleichbarkeit und Protokollstandardisierung in der Transplantationsmedizin.
Quelle
- Österreichischen Bundesinstitut für Gesundheit – FAQ-Dokument zur kontrollierten Donation after Circulatory Determination of Death (cDCD); Stand 2022