Vom 13. bis 26. Juni steht das Flexikon nur im Lesemodus zur Verfügung.
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Luftleitungshörgerät

1 Definition

Unter einem Luftleitungshörgerät versteht man ein Hörgerät, das das Nutzsignal in den äußeren Gehörgang und an das Trommelfell überträgt.

2 Aufbau

Grundlage eines jeden Hörgerätes ist das Mikrofon, das der Aufnahme des Nutzsignals dient. Hinzu kommen ein Filter, ein Vorverstärker und ein individuell programmierbarer Audioprozessor zur Bearbeitung des aufgenommenen Schallsignals. Weitere wichtige Bestandteile sind die Verstärkerendstufe sowie ein ohrseitiger Wandler, der beim Luftleitungshörgerät auch als "Hörer" bezeichnet wird.

Es handelt sich dabei um einen kleinen Lautsprecher, der das Nutzsignal in den äußeren Gehörgang und an das Trommelfell überträgt.

Da aufgrund des geringen Abstands zwischen Mikrofon und Hörer die Gefahr einer Rückkoppelung besteht, verfügen moderne Hörgeräte über eine sogenannte Rückkopplungsauslöschung oder Rückkopplungsunterdrückung.

3 Formen

3.1 Hinter-dem-Ohr-Hörgerät

Bei dieser Form des Luftleitungshörgeräts (sog. HdO-Gerät) befinden sich Mikrofon, Hörer, die digitale Prozessoreinheit sowie die Batterie hinter dem Ohr. Die Verbindung mit dem Ohrpassstück erfolgt über einen Schallschlauch. Eine Sonderform des HdO-Gerätes ist das sog. RIC- (Receiver in canal) oder RITE- (receiver in the ear) Gerät. Hier ist der Hörer ausgelagert und befindet sich direkt im äußeren Gehörgang vor dem Trommelfell. Vorteil ist, dass die hohen Frequenzen deutlich besser übertragen werden und eine Rückkopplung kaum auftritt und somit mehr Verstärkung zur Verfügung steht.

Das klassische Hinter-dem-Ohr-Hörgerät wird meist als zuzahlungsfreie Variante und bei Kinderversorgungen eingesetzt.

Jedes dieser Hörsysteme sollte immer mit einer individuellen Otoplastik ausgestattet sein, die dafür sorgt, dass der Schall zuverlässig mit der richtigen Verstärkung abgegeben wird.

3.2 Im-Ohr-Hörgerät

Im-Ohr-Hörgeräte bestehen aus nur einem individuell geformten Teil, das entweder in der Ohrmuschel oder im Gehörgang in der Nähe des Trommelfells platziert wird. Bei diesen Hörgeräten kann die Richtcharakteristik der Ohrmuschel für das Richtungshören genutzt werden. Man unterscheidet:

  • ITE-Geräte: ITE steht für "In-The-Ear". Diese Geräte füllen die Ohrmuschel teilweise oder vollständig aus. Sie werden deshalb auch als Concha- oder Halb-Concha-Geräte bezeichnet. Das System ist dadurch verhältnismäßig auffällig. Aus kosmetischen Gründen wird die Oberfläche meist der Hautfarbe angepasst. ITE-Geräte werden heute (2021) nur noch sehr selten angefertigt.
  • ITC-Geräte: ITC steht für "In-The-Canal". Bei diesen Hörgeräten schließt das Gehäuse mit der Vorderkante des Gehörgangs ab. Die Ohrmuschel selbst bleibt frei. Die Frontplatte des Hörgeräts wird möglichst weit nach hinten gekippt, um das Gerät für andere "unsichtbar" zu machen. ITC-Geräte bieten einen gutem Kompromiss aus Kosmetik, Funktionalität und Betriebsdauer.
  • CIC-Gerät: CIC steht für "Completely-in-the-Canal". Das Gehäuse ist von außen kaum zu sehen, da es bereiits im äußeren Teil des Gehörganges endet. Es muss mit einem Nylonfaden aus dem Gehörgang gezogen werden. Aufgrund der geringen Gerätegröße können nur kleine Batterien mit dementsprechend geringer Betriebszeit eingesetzt werden. Auch die Funktionalität ist eingeschränkt, in der Regel ist nur ein Mikrofon verbaut.
  • IIC-Gerät: IIC steht für "Invisible in the canal". Diese Geräte sitzten tiefer im Gehörgang als CIC-Geräte - im Bereich der zweiten Gehörgangskrümmung. Um das Gerät zu entfernen, ist ebenfalls ein Nylonfaden nötig. IIC-Geräte sind von außen nicht sichtbar. Sie haben nur ein Mikrofon und keine Wireless-Verbindung.

Da Im-Ohr-Hörgeräte sehr klein sind, ist die Verstärkung in Abhängigkeit der Bauform geringer als bei den HdO-Geräten, sodass sie vor allem bei Patienten mit geringer ausgeprägter Schwerhörigkeit genutzt werden.

4 Anwendung

Ein Hörgerät sollte verordnet werden, wenn eine Operation oder medikamentöse Behandlung nicht zu einer ausreichenden Verbesserung des Hörvermögens führt.

Gemäß der Hilfsmittelrichtlinie ist ein Hörgerät indiziert, wenn auf dem besseren Ohr ein Hörverlust von mindestens dreißig Dezibel in einer der Frequenzen zwischen 500 und 4.000 Hertz und im Sprachaudiogramm ein Diskriminationsverlust von mindestens zwanzig Prozent bei einer Lautstärke von 65 Dezibel vorliegt.[1]

Für höhergradige Schwerhörigkeiten, wenn mit Luft- oder Knochenleitungsgeräten kein ausreichendes Sprachverständnis erzielt werden kann, sollte die Indikation zu einem Cochlea-Implantat überprüft werden.

5 Quellen

  1. Hilfsmittel-Richtlinie, abgerufen am 11.11.2021

Diese Seite wurde zuletzt am 17. November 2021 um 19:03 Uhr bearbeitet.

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