Lown-Klassifikation
nach dem US-amerikanischen Kardiologen Bernard Lown (1921-2021)
Definition
Die Lown-Klassifikation ist eine hierarchisch aufgebaute Klassifikation zur Einteilung ventrikulärer Extrasystolen (VES) im Langzeit-EKG.
Geschichte
Die Lown-Klassifikation wurde in den 1970er Jahren von Bernard Lown zur Risikostratifizierung ventrikulärer Arrhythmien nach Myokardinfarkt entwickelt. Sie basiert auf der Annahme, dass Frequenz und Komplexität ventrikulärer Extrasystolen mit dem Risiko für Kammerflimmern und plötzlichen Herztod korrelieren. Komplexe Formen wie polymorphe VES, Couplets, Salven und das R-auf-T-Phänomen wurden als Ausdruck erhöhter elektrischer Instabilität gewertet.
Die Klassifikation fand breite Anwendung zur Steuerung antiarrhythmischer Therapien. Ergebnisse der CAST-Studie zeigten jedoch, dass die Suppression von VES die Mortalität nicht senkt, sondern erhöhen kann. In der Folge verlor die rein arrhythmiebasierte Risikobewertung an Bedeutung zugunsten struktureller Parameter wie der linksventrikulären Funktion.
Klassifikationsschema
- Einfache ventrikuläre Extrasystolen
- Grad 0 - keine VES
- Grad I - < 30 monomorphe VES pro Stunde
- Grad II - > 30 monomorphe VES pro Stunde
- Komplexe ventrikuläre Extrasystolen
- Grad IIIa - Auftreten polymorpher VES
- Grad IIIb - Auftreten eines Bigeminus
- Grad IVa - Auftreten von Couplets
- Grad IVb - Auftreten von Salven (≥ 3 aufeinanderfolgende VES = nicht-anhaltende ventrikuläre Tachykardie NSVT)
- Grad V - R-auf-T-Phänomen
Hinweis: In einigen Varianten der Klassifikation wird ventrikulärer Bigeminus als separater Grad aufgeführt. Die ursprüngliche Lown-Klassifikation ordnete Bigeminus jedoch primär nach der Frequenz ein.
Aussagekraft
Die Lown-Klassifikation hat primär deskriptiven Charakter und dient der Einordnung ventrikulärer Extrasystolen. Zwar erfasst sie auch komplexe Arrhythmien wie Couplets und Salven, überschätzt jedoch deren isolierte prognostische Bedeutung. Die heutige Risikostratifizierung orientiert sich vor allem an der linksventrikulären Ejektionsfraktion, strukturellen Herzerkrankungen und dem Auftreten anhaltender ventrikulärer Tachykardien sowie klinischen Symptomen wie Synkopen. Daher gilt die Lown-Klassifikation heute (2026) als obsolet.
Literatur
- Lown et. al., Monitoring for serious arrhythmias and high risk of sudden death, Circulation . 1975
- Cardiac Arrhythmia Suppression Trial (CAST), Preliminary report: effect of encainide and flecainide on mortality in a randomized trial of arrhythmia suppression after myocardial infarction, N Engl J Med . 1989
- Moss et. al., Prognostic grading and significance of ventricular premature beats after recovery from myocardial infarction, Circulation . 1975