R-auf-T-Phänomen
Englisch: R-on-T phenomenon
Definition
Das R-auf-T-Phänomen beschreibt das Auftreten einer ventrikulären Extrasystole, bei der die R-Zacke in die Repolarisationsphase (T-Welle, vulnerable Phase) des vorangehenden Herzzyklus fällt. In dieser Phase können maligne ventrikuläre Arrhythmien, insbesondere Kammerflimmern, ausgelöst werden.
Pathophysiologie
Die T-Welle entspricht der ventrikulären Repolarisation, die durch eine erhöhte elektrische Vulnerabilität des Myokards gekennzeichnet ist. Trifft eine vorzeitige Depolarisation auf noch nicht vollständig repolarisiertes Gewebe, entstehen elektrische Inhomogenitäten. Diese begünstigen Reentry-Mechanismen und können ventrikuläre Tachykardien oder Kammerflimmern auslösen.
Das R-auf-T-Phänomen wurde historisch als Marker einer erhöhten Arrhythmiegefahr gewertet und ist Teil der Lown-Klassifikation. Es kann spontan, z.B. im Rahmen eines Myokardinfarkts, oder iatrogen durch inadäquate Schrittmacherstimulation auftreten.
Vorzeitigkeitsindex
Zur quantitativen Beschreibung kann der Vorzeitigkeitsindex herangezogen werden:
- CI (Kopplungsintervall) = Abstand zwischen dem normalen QRS-Komplex und der folgenden Extrasystole
- QT = Dauer vom Beginn des QRS-Komplexes bis zum Ende der T-Welle des vorangehenden Herzzyklus
Ein Wert < 1 spricht dafür, dass die Extrasystole in die Repolarisationsphase fällt und somit für ein R-auf-T-Phänomen.
Klinische Bedeutung
Das R-auf-T-Phänomen gilt als potenziell arrhythmogener Trigger, insbesondere bei strukturellen Herzerkrankungen, akuter Myokardischämie oder Elektrolytstörungen. Die isolierte prognostische Aussagekraft ist jedoch begrenzt. Entscheidend für das Risiko maligner ventrikulärer Arrhythmien ist vor allem die zugrunde liegende myokardiale Erkrankung.
Literatur
- Engel et al., The "R-on-T" phenomenon: an update and critical review, Ann Intern Med, 1978
- Qu et al., R-on-T and the initiation of reentry revisited: Integrating old and new concepts, Heart Rhythm, 2022
- Lian et al., Risk assessment of R-on-T event based on modeled QT-RR relationship, Pacing Clin Electrophysiol, 2011