Lobus glandulae mammariae
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LoslegenSynonyme: Drüsenlappen, Brustdrüsenlappen
Englisch: lobe of mammary gland, mammary lobe
Definition
Der Lobus glandulae mammariae ist ein Drüsenlappen der Brustdrüse. Er fasst mehrere Drüsenläppchen (Lobuli) zusammen, die über ein gemeinsames Gangsystem in einen einzelnen Hauptmilchgang (Ductus lactifer colligens) drainieren. Jede Brustdrüse besteht aus etwa 15 bis 20 solcher Lobi, die als weitgehend eigenständige Einzeldrüsen aufzufassen sind.
Anatomie
Aufbau
Ein Lobus setzt sich aus mehreren traubenförmig angeordneten Lobuli zusammen. Jeder Lobulus besteht aus zahlreichen milchbildenden Alveolen und wird von einem Ductulus lactifer drainiert. Die Ductuli lactiferi der einzelnen Läppchen vereinigen sich zum Hauptausführungsgang des Lobus, dem Ductus lactifer colligens. Dieser erweitert sich kurz vor seiner Mündung zum Sinus lactifer und öffnet sich mit einer eigenen Pore auf der Brustwarze.
Die klassische Lehrbuchangabe von 15 bis 20 Lobi pro Brustdrüse wird durch dreidimensionale Rekonstruktionsstudien relativiert, die eine erhebliche interindividuelle Streuung mit teils deutlich höheren Werten fanden.[1]
Lage und Anordnung
Die Lobi sind sternförmig um die Brustwarze angeordnet und über ihre Ausführungsgänge radiär auf die Mamille ausgerichtet. Zwischen den Lappen liegt interlobäres Bindegewebe mit eingelagertem Fettgewebe, das bei der nicht-laktierenden Brust den Großteil des Organvolumens ausmacht. Straffe Bindegewebszüge (Retinacula mammae, auch Cooper-Ligamente) durchziehen das Drüsengewebe und verankern es an Haut und Fascia pectoralis. Die einzelnen Lobi besitzen untereinander keine anastomosierenden Verbindungen und stellen funktionell unabhängige Einheiten dar.
Histologie
Die Brustdrüse und damit jeder einzelne Lobus ist eine tubuloalveoläre Drüse und entwicklungsgeschichtlich eine modifizierte apokrine Schweißdrüse. Innerhalb der Läppchen findet sich ein spezialisiertes, lockeres intralobuläres Bindegewebe, während die Lappen nach außen von derberem, kollagenreichem interlobärem Bindegewebe umgeben sind. Der histologische Aufbau ist stark hormonabhängig: Während Schwangerschaft und Laktation proliferieren die Drüsenendstücke, und das Parenchym nimmt gegenüber dem Bindegewebe deutlich zu.
Funktion
Der Lobus ist die morphologische Grundeinheit der Milchproduktion und -ableitung. In den Alveolen seiner Läppchen wird während der Laktation die Milch gebildet und über das lobäre Gangsystem zur Brustwarze transportiert. Da jeder Lobus über einen eigenen Ductus lactifer colligens verfügt, gibt die Brustwarze die Milch über mehrere getrennte Poren ab.
Klinische Relevanz
Die lobäre Gliederung der Brustdrüse ist für das Verständnis des Mammakarzinoms bedeutsam. Nach der von Tot formulierten Sick-Lobe-Hypothese ist das Mammakarzinom im Kern eine lobäre Erkrankung: Die simultan oder zeitlich versetzt auftretenden In-situ- oder invasiven Tumorherde entwickeln sich demnach innerhalb eines einzelnen, bereits embryonal genetisch instabilen Lobus und bleiben im Frühstadium auf dessen Ausbreitungsgebiet beschränkt.[1] Dieses Konzept liefert eine anatomische Begründung für die Multifokalität vieler Karzinome innerhalb eines Lappens sowie für lobär orientierte Operations- und Bildgebungsverfahren (z.B. duktale Sonographie, Duktoskopie).
Quelle
- ↑ 1,0 1,1 Tot T. Subgross Morphology, the Sick Lobe Hypothesis, and the Success of Breast Conservation. Int J Breast Cancer. 2011;2011:634021.
Literatur
- Lüllmann-Rauch R, Asan E. Taschenlehrbuch Histologie. 6. Aufl. Thieme; 2019.
- Welsch U, Deller T, Kummer W. Lehrbuch Histologie. 5. Aufl. Elsevier; 2018.
- Aumüller G et al. Duale Reihe Anatomie. 5. Aufl. Thieme; 2020.