Laufzeitartefakt
Englisch: speed displacement artifact, propagation velocity artifact
Definition
Das Laufzeitartefakt ist ein sonographisches Artefakt, das durch eine fehlerhafte Tiefenlokalisation von Echoanteilen entsteht. Strukturen im Ultraschallbild erscheinen dadurch zu tief oder zu oberflächlich.
Hintergrund
Die Tiefenberechnung in der Sonographie basiert auf der Messung der Laufzeit eines Ultraschallsignals zwischen Aussendung und Empfang des reflektierten Echos. Diese Laufzeit wird vom Ultraschallgerät unter der Annahme einer mittleren Schallgeschwindigkeit von etwa 1540 m/s in eine Tiefeninformation umgerechnet. Die tatsächliche Schallgeschwindigkeit unterscheidet sich jedoch deutlich zwischen verschiedenen Geweben (z. B. Fettgewebe, Muskel, Leber oder Knochen).
Entstehung
Das Laufzeitartefakt entsteht, wenn der Ultraschallstrahl Gewebe mit einer von 1540 m/s abweichenden Schallgeschwindigkeit durchläuft. Bei verminderter Schallgeschwindigkeit (z. B. Fettgewebe) und entsprechend verlängerter Laufzeit erscheint die Struktur tiefer lokalisiert. Bei erhöhter Schallgeschwindigkeit (z. B. Knochen) und entsprechend verkürzter Laufzeit wird die Struktur oberflächlicher dargestellt.
Durchläuft der Schallstrahl innerhalb desselben Schallpfades mehrere Gewebe mit unterschiedlicher Schallgeschwindigkeit, werden die resultierenden Laufzeitunterschiede vom Gerät als Tiefenunterschiede interpretiert. Dies kann zu Diskontinuitäten, Stufenbildungen oder Versatzerscheinungen im Bild führen.
Befund
Im Ultraschall zeigt sich das Laufzeitartefakt als scheinbare Verschiebung tiefer gelegener Strukturen, als Stufenbildung innerhalb homogener Gewebe oder als Unterbrechung kontinuierlicher anatomischer Linien. Die dargestellten Strukturen entsprechen dabei nicht ihrer tatsächlichen anatomischen Lage.
Klinische Relevanz
Ein häufiges klinisches Beispiel ist das Auftreten eines Laufzeitartefakts bei hepatischer Steatose mit fokalen Fettarealen oder fokaler Fettsparung. Die lokal verlangsamte Schallausbreitung im Fettgewebe führt dazu, dass tiefer gelegene Leberstrukturen scheinbar nach distal verschoben dargestellt werden. Dies kann Pseudoläsionen vortäuschen.
Das Laufzeitartefakt sollte insbesondere von echten Raumforderungen, Narben oder Septierungen abgegrenzt werden. Ein wichtiger Hinweis auf ein Artefakt ist die Veränderbarkeit des Befundes bei Änderung des Schallwinkels oder der Sondenposition.
Literatur
- Priamo et al., Speed displacement artifact., Reference article, Radiopaedia.org, abgerufen am 03.02.2026.