Kopropraxie
von altgriechisch: κόπρος ("kópros") - Kot; πρᾶξῐς ("prâxis") - Handlung, Tat
Englisch: copropraxia
Definition
Als Kopropraxie bezeichnet man das unwillkürliche Ausführen sozial inadäquater, obszöner oder beleidigender Gesten. Die motorischen Äußerungen entziehen sich der willentlichen Kontrolle und werden von den Betroffenen häufig als innerlich aufdrängend oder nicht dem eigenen Verhalten entsprechend erlebt. Kopropraxie zählt zu den sogenannten Koprophänomenen.
Hintergrund
Kopropraxie ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein seltenes motorisches Symptom, das vor allem im Rahmen neurologischer oder psychiatrischer Störungen beobachtet wird. Am häufigsten tritt sie bei schweren Verlaufsformen von Tic-Störungen, insbesondere beim Tourette-Syndrom, auf. Im Vergleich zu einfachen motorischen Tics ist Kopropraxie deutlich seltener und klinisch meist Ausdruck einer komplexen Störung der Impulskontrolle. Charakteristisch ist die fehlende intentionale Steuerung der Gesten, wodurch sie klar von bewusstem provokativem Verhalten abzugrenzen ist. Aufgrund ihres sozial stark normverletzenden Charakters kann Kopropraxie mit erheblichem psychosozialem Leidensdruck einhergehen.