Knowledge Translation Gap
Wir werden ihn in Kürze checken und bearbeiten.
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deutsch: Wissens-Implementierungslücke, Evidenz-Praxis-Lücke
Definition
Der Knowledge Translation Gap beschreibt die Lücke zwischen verfügbarer medizinischer Evidenz und ihrer konsequenten Anwendung im klinischen Alltag. Trotz vorhandener Leitlinien und evidenzbasierter Empfehlungen erfolgt die Umsetzung in der Praxis häufig verzögert, unvollständig oder uneinheitlich. Die Wissens-Implementierungslücke ist ein systemisches Phänomen und nicht primär Ausdruck fehlenden Wissens einzelner Behandler.
Hintergrund
Die Implementierungslücke entsteht entlang des gesamten Weges von der Evidenzgenerierung bis zur routinemäßigen Versorgung. Zwischen der Publikation wissenschaftlicher Erkenntnisse, ihrer Leitlinienintegration und der praktischen Anwendung wirken organisatorische, strukturelle und kulturelle Barrieren, darunter etablierte Routinen, institutionelle Abläufe, begrenzte Ressourcen und bestehende Entscheidungsstrukturen. Zusätzlich können Unsicherheit und kognitive Faktoren die Anpassung an neue Evidenz erschweren.
Studien der Implementierungs- und Versorgungsforschung zeigen, dass zwischen belastbarer Evidenz und ihrer breiten klinischen Anwendung häufig viele Jahre vergehen; im Mittel werden Zeiträume von etwa 15 bis 20 Jahren beschrieben.
Klinische Bedeutung
Der Knowledge Translation Gap beeinflusst Versorgungsqualität, Patientensicherheit und Ressourceneinsatz unmittelbar. Evidenzbasierte Maßnahmen werden nicht konsequent angewendet, während überholte oder wenig wirksame Verfahren fortbestehen. Dies kann sowohl Unter- als auch Überversorgung begünstigen.
Besonders sichtbar wird die Wissens-Implementierungslücke bei der Einführung neuer Leitlinien, der Nutzung standardisierter Scores oder der Anpassung etablierter Routinen an aktualisierte Evidenz. Trotz klarer Empfehlungen bestehen häufig deutliche Unterschiede zwischen theoretischem Versorgungsstandard und gelebter Praxis.
Beispiel
Für zahlreiche Krankheitsbilder existieren evidenzbasierte Leitlinien mit klar definierten diagnostischen und therapeutischen Empfehlungen. Dennoch werden Screening-Instrumente, standardisierte Behandlungsalgorithmen oder zeitkritische Interventionen im klinischen Alltag abhängig von lokalen Strukturen, personellen Ressourcen und etablierten Abläufen uneinheitlich umgesetzt.
Strategien zur Reduktion
Der Knowledge Translation Gap ist nicht vollständig vermeidbar, kann jedoch durch gezielte Implementierungsstrategien reduziert werden. Entscheidend ist die Überführung wissenschaftlicher Erkenntnisse in praktikable klinische Prozesse.
Wirksam sind insbesondere klar definierte Standards, die Integration von Leitlinien in Arbeitsabläufe, regelmäßiges Feedback zur Versorgungsqualität sowie strukturierte Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen. Die Identifikation lokaler Umsetzungshindernisse und die Anpassung an organisatorische Gegebenheiten sind zentrale Voraussetzungen für eine nachhaltige Verbesserung der Wissensübersetzung.
Literatur
- Lang et. al., Knowledge translation: closing the evidence-to-practice gap, Ann Emerg Med . 2007, abgerufen am 10.01.2026
- B. Manns, Evidence-Based Decision Making 5: Knowledge Translation and the Knowledge to Action Cycle, Methods Mol Biol . 2021, abgerufen am 10.01.2026
- Armstrong et. al., The role and theoretical evolution of knowledge translation and exchange in public health, J Public Health (Oxf) 2006, abgerufen am 10.01.2026