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Kapillarmikroskopie

Synonym: Nagelfalz-Kapillarmikroskopie
Englisch: nailfold capillary microscopy, capillary microscopy

1 Definition

Die Kapillarmikroskopie ist eine spezielle Methode der Angioskopie, mit der Kapillaren im Nagelbett untersucht werden können. Sie wird bei Verdacht auf eine Mikroangiopathie im Rahmen von Kollagenosen durchgeführt.

2 Hintergrund

Die Kapillarmikroskopie ist eine einfache, schnelle und beliebig wiederholbare diagnostische Methode. Für den Patienten ist sie weder belastend noch schmerzhaft und birgt keinerlei Risiko.

Der Bereich der Nagelfalzes eignet sich deshalb zur angiologischen Untersuchung, weil dort die Kapillaren parallel zur Oberfläche verlaufen. Mit einer Auflichtmikroskopie lassen sich diese Gefäße in einer 10 - 100-fachen Vergrößerung darstellen. Um ein besseres Bild zu generieren, werden zusätzlich häufig Öle (Immersionsöl oder pflanzliche Öle wie Zedernholzöl, Olivenöl) auf das Nagelbett aufgetragen.

3 Indikation

Die Kapillarmikroskopie ermöglicht die intravitale Beurteilung der Kapillarmorphologie und gibt so zusätzliche Informationen über die Konfiguration der dermalen Kapillaren. Im Rahmen der Diagnostik von Kollagenosen und Vaskulitis kommt v.a. die videogestützte Kapillarmikroskopie zum Einsatz.

Die Nagelfalz-Kapillarmikroskopie ist u.a. hilfreich bei der Unterscheidung zwischen primärem und sekundärem Raynaud-Phänomen sowie bei der Diagnosesicherung im Frühstadium der systemischen Sklerodermie.

4 Diagnostik

  • Normales Muster beim Gesunden: Gleichmäßig angeordnete und gleich große haarnadelförmigen Kapillargefäße.
  • Primäres Raynaud-Syndrom: Parallel verlaufende Gefäßschlingen in regelmäßigen Abständen (normales Muster).
  • Sekundäres Raynaud-Syndrom: Gestörte Kapillararchitektur mit Riesenkapillaren. Die Kapillarschlingen sind ungleichmäßig und weitgestellt und weisen ein dilatiertes Lumen auf. Weiterhin finden sich Mikrohämorrhagien mit dazwischen liegenden avaskulären Bereichen.
  • Progressive systemische Sklerodermie (PSS):
    • Frühes Muster: Die Kapillaren sind dilatiert. Es finden sich symmetrisch vergrößerte Mikrogefäße (Riesenkapillaren) als erstem morphologischen Zeichen.
    • Aktives Muster: Es finden sich Riesenkapillaren in Kombination mit Kapillarkollaps und Mikroblutungen sowie dem Verlust von Kapillaren.
    • Spätmuster: Es zeigt sich ein massiver Kapillaruntergang, eine Fibrose und eine Neoangiogenese mit sekundären Dilatationen.

5 Literatur

  • John Varga: Systemische Sklerodermie und andere Erkrankungen des Formenkreises; Harrisons; 20. Auflage; 2020.
  • Hettenkofer, Schneider, Braun: Rheumatologie: Diagnostik - Klinik - Therapie; 6. Auflage; 2015; Thieme Verlag.

Diese Seite wurde zuletzt am 23. Dezember 2020 um 11:11 Uhr bearbeitet.

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