Istanbul-Konsensus
Definition
Der Istanbul-Konsensus ist ein international anerkanntes Konsensuspapier der Alpha Scientists in Reproductive Medicine und der European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE). Er definiert einheitliche Kriterien und eine standardisierte Terminologie für die morphologische Beurteilung von menschlichen Oozyten, Zygoten und Embryonen in der assistierten Reproduktion (IVF/ICSI).
Hintergrund
Der erste Istanbul‑Konsensus wurde 2011 im Rahmen eines internationalen Expertentreffens veröffentlicht und stellte erstmals einheitliche Definitionen und Beobachtungszeitpunkte für die Embryobeurteilung bereit. Ziel des Konsensus war es, die Vergleichbarkeit von Laborergebnissen, die Qualitätssicherung sowie die wissenschaftliche Kommunikation zwischen IVF‑Zentren weltweit zu verbessern.
Inhalte
Der Istanbul‑Konsensus definiert einheitliche morphologische Kriterien zur Beurteilung von Oozyten, Zygoten und Embryonen sowie festgelegte Beobachtungszeitpunkte nach Insemination bzw. ICSI.
Der ursprüngliche Konsensus von 2011 basierte auf einer statischen morphologischen Bewertung (z.B. Zellzahl, Symmetrie, Fragmentierung, Vorkernmorphologie, Blastozystengrad).
Das Update von 2025 erweitert dieses Konzept um dynamische morphokinetische Parameter, insbesondere aus dem Time‑Lapse‑Imaging. Statische und dynamische Merkmale werden kombiniert bewertet. Der aktualisierte Konsensus enthält rund 20 evidenzbasierte Empfehlungen, betont eine standardisierte Terminologie und weist darauf hin, dass viele morphologische Marker primär zur Embryonen‑Selektion (Ranking) dienen und isoliert nur begrenzte prognostische Aussagekraft besitzen.
Literatur
- Alpha Scientists in Reproductive Medicine and ESHRE Special Interest Group of Embryology. The Istanbul consensus workshop on embryo assessment: proceedings of an expert meeting. Hum Reprod, 2011
- Coticchio et al., The Istanbul consensus update: a revised ESHRE/ALPHA consensus on oocyte and embryo static and dynamic morphological assessment, Hum Repro, 2025