Eckzahnführung
Englisch: canine guidance, canine protected occlusion
Definition
Die Eckzahnführung bezeichnet ein Okklusionskonzept, bei dem während der Laterotrusion des Unterkiefers ausschließlich die Eckzähne der Arbeitsseite Kontakt miteinander haben. Dies führt zu einer unmittelbaren Disklusion aller übrigen Zähne (Schneidezähne, Prämolaren und Molaren).
Physiologie
Der Eckzahn (Dens caninus) ist aufgrund seiner anatomischen Gegebenheiten prädestiniert für die Führung des Kausystems. Er besitzt die längste und kräftigste Zahnwurzel im menschlichen Gebiss und damit eine große Parodontalfläche zur Aufnahme von axialen und transversalen Kräften.
Funktion
Elimination von Scherkräften
Die Seitenzähne sind morphologisch darauf ausgelegt, axiale Druckkräfte zu absorbieren. Horizontale Scherkräfte, wie sie bei Mahlbewegungen entstehen, führen zu einer starken Belastung des Zahnhalteapparats der Seitenzähne. Die Eckzahnführung eliminiert diese Scherkräfte durch sofortige Trennung der Okklusalflächen.
Steuerung der Kaumuskulatur
Das Parodont der Eckzähne verfügt über eine hohe Dichte an Mechanorezeptoren. Dies ermöglicht eine sensible Steuerung und damit einen ökonomischen Einsatz der Kaumuskulatur. Elektromyographische Studien zeigen, dass bei einer funktionierenden Eckzahnführung die Aktivität des Musculus masseter und des Musculus temporalis während der Seitwärtsbewegung reduziert wird.
Klinik
Ein Verlust der Eckzahnführung durch Abrasion führt häufig zu einer sogenannten Gruppenführung, bei der auch die Seitenzähne Kontakt aufnehmen. Dies kann zu Schlifffacetten und Myopathien führen.
In der Prothetik wird statt der Eckzahnführung eine Balanceokklusion angestrebt, um die Stabilität der Prothesenbasis nicht zu gefährden.